Zukunftskonferenz 2007: Regiogeld
18.09.09 22:31 ()
Höhere Grade an Autonomie angesichts negativer Einflüsse der Globalisierung: Was könnte das bedeuten? Wir sollten Wertschöpfung, Beschäftigung, Kaufkraft in der Region halten und dafür sorgen, dass möglichst wenig davon exportiert wird. Wir sollten regionale Wirtschaftskreisläufe schließen, soweit das vernünftigerweise möglich ist. Vor allem sollten regionale Unternehmen und regionale Kunden bei anderen regionalen Unternehmen einkaufen. Wir sollten wo immer möglich jene endogenen Potenziale wecken, die in der Theorie der Regionalentwicklung seit etlichen Jahren mehr Wunsch als Wirklichkeit waren.
Das wird gefördert durch Regionalwährungen, die auch in Rheinland-Pfalz überall aus dem Boden schießen: In Zell als Initiative des Einzelhandelsverbandes mit dem Ziel, die regionale Kundenbindung zu erhöhen („BestZeller“), in Schweich („Moseltaler“), in der Pfalz („Pälzer“). Geld ist nichts anderes als eine Vereinbarung, die auf Vertrauen beruht. Was spricht dagegen, dass wir eine eigene Währung schaffen, die nur regional akzeptiert wird? Warum sollten nicht zahlreiche Unternehmen bereit sein, eine solche Währung als Zahlungsmittel anzuerkennen? Das hätte nicht nur den offensichtlichen Vorteil der Kundenbindung, es würde auch erlauben, Tätigkeiten, die sonst keinen Marktwert haben, zu entlohnen und damit zusätzliche Kaufkraft zu schaffen. Es würde dazu beitragen, den regionalen Wirtschaftskreislauf zu stärken und externe Abhängigkeiten zu mildern. Das funktioniert in vielen Regionen in vielen Ländern, und oftmals sind sogar Banken in das System eingebunden. Regionalwährungen tragen zur regionalen Stabilisierung bei und helfen natürliche Ressourcen zu schonen – sie sind also auch im Sinn der globalen Ökologie. Insofern gehört das Thema unmittelbar in den Aufgabenkreis der Lokalen Agenda 21.
Den aktuellen Stand der Diskussion dokumentieren wir hier– auch in der Hoffnung, dass sie wieder aufgegriffen wird. Franz Galler, einer der erfahrensten und profiliertesten Praktiker des Regiogeldes, eröffnet die Texte mit seinem Aufruf „Regionalgeld in der Region Mosel-Saar-Eifel-Hunsrück!“ Rechtsanwalt Frank Jansky, Vorstand des Bundesverbandes Regiogeld e.V. und der Initiative Urstromtaler, schildert das Regiogeld aus der Sicht der Unternehmen, Dipl.-Kaufmann Ralf Becker aus der Sicht der Banken. Architekt und Stadtplaner Kay Voßhenrich zeigt in seinem Beitrag, wie Regiogeld und erneuerbare Energien eine fruchtbare Symbiose eingehen können, und Architekt Ludwig Schuster diskutiert den Nutzen des Regiogeldes vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise.
(Auszug aus dem Vorwort von Prof. Dr. Bernd Hamm)
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