Glossar zum Regiogeld

In diesem Glossar finden Sie alle wichtigen Begriffe zum Regiogeld erklärt!

Es erscheint mit freundlicher Unterstützung der Stiftung für Reform der Geld- und Bodenordnung (Hamburg) www.stiftung-geld-boden.de

und wurde von Kay Voßhenrich, vosshenrich[at]web.de verfaßt.

 

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Ablaufgeld

Bei Ablaufgeld handelt es sich um Währungen mit Verfallsdatum. Eine Extremform der Zeitwertwährung ist eine Währung mit feststehendem Verfallsdatum. Dies käme im Moment des Verfalls einem Steuersatz von 100 Prozent gleich.

 

Altersgenossenschaften

Altersgenossenschaften (auch Seniorengenossenschaften) sind eine Sektoralwährung und stellen im Prinzip eine Sonderform der Tauschringe dar. Sie unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Zielsetzung: Tauschringe beabsichtigen einen möglichst regen Umlauf der Verrechnungseinheiten, d.h. kein Horten von Guthaben. Dieses Prinzip wird bei Seniorengenossenschaften umgedreht. In aktiven Zeiten bringen sich die Mitglieder der Seniorengenossenschaften als Leistungsträger ein und sparen Zeitpunkte für den Bedarfsfall (Krankheit oder benötigte Hilfe im Alter) an. Die Zeitpunkte der Seniorengenossenschaften stellen somit eine Zeit-Rente dar.

Zwei gravierende Unterschiede zeichnen die Zeit-Rente im Gegensatz zur Geld-Rente aus: Die Zeit-Rente wird nur dann in Anspruch genommen, wenn ein aktueller Bedarf besteht (die Geld-Rente erhält auch, wer sie nicht nötig hat). Darüber hinaus ist die Zeit-Rente weder von einem Währungsverfall noch einem Preisverfalls oder ähnlicher Minderungen durch instabile Wirtschaftssysteme bedroht. Denn eine Stunde hat heute den Wert einer Stunde und in fünfzig Jahren ist sie immer noch eine Stunde wert. Diese Wertbeständigkeit wird von den Mitgliedern oft als Vorteil hervorgehoben.

Bei den Modell der Seniorengenossenschaften, wie es in den 90er Jahren in Baden-Württemberg eingeführt wurde, sind die Zeit-Punkte übertragbar und sie können sogar an Familienangehörigen und Freunde vererbt werden.

 

Antihortungsgebühr

Eine zeitgebundene Gebühr auf eine im Umlauf befindliche Währung. Die Gebühr funktioniert wie ein negativer Zinssatz und soll das Horten einer Währung verhindern. Ersparnisse können dann nur in anderer Form angelegt werden und nicht durch die Anhäufung des Tauschmittels. Silvio Gesell entwickelte die Theorie, dass Geld ein öffentliches Angebot sei (wie z. B. öffentliche Verkehrsmittel), daher sei dafür auch eine Gebühr gerechtfertigt. John Maynard Keynes und Irving Fisher untermauerten Gesells Ansatz, der zuletzt in den "Stempelwährungen" der 30er Jahre in die Tat umgesetzt wurde.

 

Arbeit

Arbeit im Sinne der Volkswirtschaftslehre ist neben "Kapital" und "Boden" einer der drei Produktionsfaktoren. Beim Produktionsfaktor „Arbeit“ handelt es sich um die geistigen und körperlichen Anstrengungen des Menschen.

Während bis ins Mittelalter ein sehr uneinheitlicher Arbeitsbegriff vorherrschte, ist seine heutige Verwendung erst auf die Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft und das Bekenntnis aller zum Wert der Arbeit zurückzuführen. Diese geistesgeschichtliche Wende fiel zusammen mit der Entwicklung der industriellen Produktion und Revolution Ende des 18. und im 19. Jahrhundert. Seither haben sich die Bedingungen der Arbeit in mehr oder weniger großen Schüben immer wieder drastisch verändert. Lange Zeit galt der Faktor Arbeit als der "Gegenspieler" des Faktors "Kapital". Diese ehemalige Klassendebatte ist heute in den Hintergrund getreten (Sozialpartnerschaft, Tarifpartner, Tarifpolitik, Mitbestimmung).

Systematisch gesehen lässt sich Arbeit in eine naturwissenschaftliche und eine geisteswissenschaftliche Betrachtungsweise unterteilen. So gibt es einen physikalischen, chemischen, biologischen und gesellschaftlich-ökonomischen Arbeitsbegriff. Die geisteswissenschaftliche Perspektive führt nicht nur zu einem ökonomischen Begriff (Arbeit als Produktionsfaktor), sondern auch zu einer ganzheitlichen Sicht, die bei der Bewertung der Arbeit auch Kriterien der Menschengerechtigkeit berücksichtigt.

Unterschieden wird heute zwischen Erwerbsarbeit (Erwerb von Geld) und Nichterwerbsarbeit. Vielfach ist man bemüht, auch die Nichterwerbsarbeit als "produktive" Arbeit zu verstehen, zu erfassen und einer ökonomischen Bewertung zu unterziehen.

 

Banjar auf Bali

Auf Bali besteht seit über 1000 Jahren ein soziales, ökonomisches und kulturelles Netzwerk. Die wichtigste Organisationsstruktur ist die "Banjar" (= Nachbarschaft) zur Regelung ziviler Aspekte innerhalb der Gemeinschaft. Sie wurde bereits 914 erstmals schriftlich erwähnt. Alle Banjar sind auf lokaler Ebene basisdemokratisch und dezentral organisiert. Jeden Monat finden in den Dörfern und Städten öffentliche Ratsversammlungen statt, in denen über laufende und neue Projekte beraten wird. Für die finanziellen Planungen stehen prinzipiell zwei komplementäre Budgets zur Verfügung: zum einen die indonesische Rupiah, das gesetzliche Zahlungsmittel des Archipels, zum anderen die "nayahan banjar" (= Arbeit für das Gemeinwohl), eine "Zeitwährung" deren Recheneinheiten durch Dienstleistungen gebildet werden. Die Geld- und Zeiteinheiten werden für jede Familie festgelegt. Der Zeitwert, den jeder für gemeinschaftliche Projekte aufbringen muss, wird sogar höher angesehen als Bargeld, da die gegenseitige Hilfe den Zusammenhalt besser fördert. Dementsprechend führen Verweigerungen ab einem bestimmten Ausmaß zur Ächtung durch die Gemeinschaft.

 

Bank

Banken sind Dienstleistungsunternehmen, die Geld verleihen (Kredit) und entgegennehmen, die Barzahlungen und bargeldlose Zahlungen ausführen, Wertpapiere verwahren und Geld ihrer Kunden verwalten. Sie werden dabei gesetzlich streng reguliert.

Der Ausdruck Bank (v. ital. banca) bezeichnet im Allgemeinen einen Ort zur Speicherung von Dingen.

 

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)

Private Organisation mit Sitz in Basel. Derzeit besitzen 31 Länder Aktien der BIZ und zählen damit zu den Mitgliedern der BIZ. Geleitet wird sie vom Verwaltungsrat, dem die elf wichtigsten Zentralbanken der Welt angehören. Ursprünglich sollte die Bank als Treuhänder bei internationalen Zahlungsgeschäften wirken, hat sich aber zu einem Forum für die Präsidenten der Zentralbank und einer Forschungsstelle für alle Angelegenheiten des Weltwährungssystems entwickelt.

 

Banknoten

Scheine, auf denen ein bestimmter Betrag aufgedruckt ist. In der Euro-Währung gibt es Banknoten für 5, 10 ,20, 50, 100, 200 und 500 Euro. Banknoten sind ein neben dem Hartgeld umlaufendes, mit währungsgesetzlicher Kraft versehenes Zahlungsmittel, das nur von privilegierten Staatsbanken (Banknotenmonopol) in Verkehr gebracht werden darf. Das alleinige Recht zur Ausgabe von Banknoten ist mit der Europäischen Währungsunion von der Deutschen Bundesbank auf die Europäische Zentralbank übergegangen.

Die Banknote ist wirtschaftlich ein unverzinsliches Kreditpapier, rechtlich ein Inhaberpapier, das im Falle von Goldwährungen bei der Notenbank gegen Gold eingetauscht werden kann.

 

Bankrecht, Aspekte

Die rechtliche Zulässigkeit von Regionalwährungen in Deutschland ist nicht abschließend geklärt. Einerseits verfügen Europäische Zentralbank und Deutsche Bundesbank laut Art.106 Abs. 1 EG-Vertrag über ein Geldmonopol. Andererseits gestattet die rechtlich geschützte Vertragsfreiheit, dass Vertragspartner die Charakteristika ihrer Vereinbarung frei bestimmen können. Somit kann Regiogeld keinesfalls gesetzliches Zahlungsmittel werden. Allerdings kann, beispielsweise durch Gründung eines entsprechenden Vereins, die Ausgabe einer Regionalwährung auf eine privatrechtliche Basis gestellt werden.

 

Bargeld

Unter Bargeld (englisch cash) versteht man Zentralbankgeld mit gesetzlichem Abnahmezwang. Gemeinsam mit den Sichteinlagen SE bildet es die reale Geldmenge M, kurz M = BG + SE.

Bargeld steht in Form von Banknoten und Münzen zur Verfügung. Bargeld kann von Geschäfts- und Nichtbanken gehalten werden. Durch die Verwendung von Scheckkarten und Kreditkarten wird das im Umlauf befindliche Bargeld ständig reduziert.

 

Bargeldlose Verrechnung

Bargeldlose Verrechnungen betreffen Zahlungen in der Form von Buchgeld zwischen Konten, bei denen kein Bargeld bewegt wird. Das Konto des Auftraggebers wird mit dem Zahlungsbetrag belastet, der Empfänger erhält eine entsprechende Gutschrift auf seinem Konto.

 

Barter

Bartersysteme nennt man den direkten Austausch (Tauschhandel) von Gütern und Dienstleistungen ohne Zuhilfenahme eines wie auch immer gearteten Tauschmittels oder einer Währung.

In Zeiten knappen, bzw. teuren Geldes ist dieses eine ideale Möglichkeit, zusätzliche Umsätze zu tätigen und die Liquidität des eigenen Unternehmens zu schonen. Beim Barter-Handel werden Waren und Leistungen grundsätzlich nicht bilateral, sondern über einen Pool multilateral ausgetauscht (zu 100 % oder auch zu prozentualen Anteilen des Waren-/Dienstleistungswertes). Dabei wird der Wert der jeweiligen Handels-(Tausch)objekte weiterhin in der entsprechenden Währung ausgedrückt und unter den Teilnehmern des Pools verrechnet. Der Barter-Handel ist in Nordamerika weit verbreitet. In der Schweiz wird im Rahmen des WIR-Ring von ca. jedem 5. Unternehmen (2004: ca. 63.500 Unternehmen) neben seinem herkömmlichen Handelsgeschäft Barter-Handel betrieben. In vielen anderen europäischen Ländern wird der Barter-Handel zunehmend als Alternative für zusätzliche Handelsgeschäfte in gesättigten Märkten gesehen. Über die deutsche Barterorganisation EBB (European Barter Business) allein bietet sich die Möglichkeit, 150000 Unternehmen und eine Million Endkunden in 35 Ländern zu erreichen.

 

Berliner

www.berliner-regional.de

 

Bethel-Geld

Der Bethel-Euro (vor der Euro-Umstellung Bethel-Mark) ist eine Komplementärwährung in den von Bodelschinghschen Anstalten in Bethel, einem Ortsteil von Bielefeld. Sie berechtigt Bewohner und Mitarbeiter zum Einkauf in Geschäften Bethels. 1908 ins Leben gerufen ist der Bethel-Euro vermutlich die älteste noch existierende Komplementärwährung Deutschlands.

Die Währung wurde bis 1936 von einer eigenen Sparkasse herausgegeben, heute übernehmen dies die örtlichen Sparkassen. Für 100,- € erhält man dabei 105,- Bethel-Euro. Beim Einkauf gilt dagegen 1,- Euro gleich 1 Bethel-Euro. Banknoten werden im Wert von 50, 20, 10, 5, 2, 1 und 0,5 Euro - nicht 50 Cent - ausgegeben, Münzen gibt es nicht. Bei einem Jahresumsatz von 900.000 € befinden sich Bethel-Euro im Wert von ca. 65.000 € im Umlauf.

 

Bildungswährung

Bei Bildungswährungen handelt es sich um Sektoralwährungen zur Finanzierung von Bildungssystemen, aber auch zu einer Unterstützung bestimmter Bildungsziele, die mit herkömmlichen Finanzierungsmodellen im Bildungssystem nicht zu erzielen sind.

 

Beispiele:

1) 1955 entwickelte Milton Friedman (geb. 1912) die Idee einer alternativen Bildungsfinanzierung. Er plädiert für die Einführung von Bildungsgutscheinen. Die Steuergelder sollen nicht wie bisher den Ausbildungsinstitutionen, sondern in Form von Gutscheinen direkt den Auszubildenden zukommen, die damit ihre Bildung kaufen können. Die Bildungsgutscheine sind auf den Namen des Inhabers ausgestellt und nicht übertragbar. Der Inhaber löst den Bildungsgutschein an einer frei, gewählten staatlich akkreditierten Bildungseinrichtung ein. Die Eltern erhalten einen staatlich fixierten Nennwert unabhängig vom ihren Einkommen.

 

2) Das Modell eines nationalen Bildungsgutscheinsystems soll anhand der so genannten „Saber“ (= Wissen) in Brasilien verdeutlicht werden:

Als die brasilianische Mobilfunkindustrie privatisiert wurde, hat die Regierung beschlossen landesweit eine einprozentige Abgabe auf alle Telefonrechnungen zu erheben und diese für Bildungszwecke zu verwenden. Bis 2004 haben sich dadurch ca. eine Milliarde US-Dollar angesammelt. Prof. Gibson Schwartz (Universität Sao Paulo) und Prof. Bernard Lietaer (Naropa University, Boulder, Colorado) haben ein Modell entwickelt, wie dieses Geld bestmöglich zu verwenden sei. Statt wie normalerweise üblich in Brasilien - die Begabtesten zu fördern, sollte eine Komplementärwährung in Form von Bildungs-Gutscheinen geschaffen werden. Diese haben erstens einen finanziellen Multiplikator-Effekt gegenüber der konventionellen Lösung - ohne einen inflationären Druck auf die gesamte Wirtschaft auszuüben - und würden zweitens die Lernkapazität wie auch die sozialen Verbindungen in der brasilianischen Bevölkerung stärken.

Die „Saber“ werden kontrolliert durch das Kultusministerium an Schüler ausgegeben, die damit Unterricht von älteren Schülern erwerben können. Die Währung wird von unteren Klassen an höhere Klassen in den Schulen weitergegeben, bis sie eine Universität erreicht, wo die Währung verwendet wird um Bildung vom Staat zu erwerben. An diesem Punkt wird sie an das Ministerium zurückgegeben. Die „Saber“ dienen offiziell nur dazu, die Studiengebühren in einem bestimmten Studienjahr (z.B. 2005-06) zu begleichen. Wenn sie in diesem Zeitraum nicht eingelöst wurden, können sie zwar immer noch im nächsten Studienjahr umgetauscht werden, dies kostet jedoch 20 Prozent des nominalen Wertes. Damit wird ein Anreiz geschafft, die Gutscheine im festgelegten Zeitraum auszugeben und eine schnelle Weitergabe der Währung sicherzustellen. Der Gesamteffekt ist, dass viele Schüler und Stundenten sich Zeit nehmen um untere Klassen zu unterrichten und, weil sie selber Lehrer werden, das Thema, das sie unterrichten, besser verstehen und den Wert der Bildung und die Arbeit ihrer eigenen Lehrer mehr schätzen lernen.

Der „Saber“ ist eine Papierwährung (obwohl elektronische Konten angelegt werden können, dort wo sich größere Summen ansammeln). Um Fälschungen zu erschweren werden die Gutscheine mit allen Sicherheitsmerkmalen einer konventionellen Währung ausgestattet.

 

Bonussysteme

Das lateinische Adjektiv bonus bedeutet gut. Ein Bonus wirkt als Zurechnung von Punkten, Geld oder anderen Quantitäten. Betriebswirtschaft stellt ein Bonus eine nachträgliche Vergütungen an Groß- und Dauerabnehmer in Form von Rabatten dar. Bonussysteme sind eine Form der Kundenbindung.

Viele „Bonussysteme“ bei Komplementärwährungen zeigen, wie die Zusammenführung von ungenutzten Potentialen und unbefriedigten Bedürfnissen sogar in einem strikt marktwirtschaftlichen Umfeld funktioniert. In einem gut gemanagten Bonussystem erhält das Unternehmen etwas (eine höhere Kundenbindung), indem es ungenutzte Ressourcen einsetzt (einen Platz im Flugzeug, einen Sitz im Kino, der ansonsten leer bliebe). Dieses System kann bei Regionalwährungen auf ein weiter gefasstes Umfeld ausgedehnt werden, in dem die Teilnehmer selbst entscheiden, in welchen Bereichen ihre Komplementärwährung funktionieren soll.

 

Bremer Roland

www.roland-regional.de

 

Bretton Woods

kleiner Ort im US-Bundesstaat New Hampshire, in dem 1944 das Abkommen von Bretton Woods geschlossen wurde. Bei den Verhandlungen waren Großbritannien und die Vereinigten Staaten federführend. Das System, auf das man sich schließlich einigte, wurde auch als "Dollar-Gold-Äquivalent-Standard" bezeichnet, weil der amerikanische Dollar den Rang einer offiziellen Weltreservewährung erhielt. Dafür mussten die Vereinigten Staaten die Goldkonvertibilität des Dollars zu einem festgelegten Kurs von 35 Dollar pro Feinunze Gold garantieren und auf Verlangen der anderen Zentralbanken Dollar in Gold umtauschen. Im August 1971 brach Nixon einseitig dieses Abkommen und schloss das „goldene Fenster", als Frankreich und Großbritannien eine entsprechende Einlösung forderten. Damit begann die Zeit der „floatenden Wechselkurse", in der sich der Wert jeder Währung und des Goldes am freien Markt orientierte.

 

Bruttoinlandsprodukt

Wert aller Güter und Dienstleistungen, die in einem bestimmten Zeitraum von In- und Ausländern einer Volkswirtschaft hergestellt bzw. erbracht wurden. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) dient zur Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Staates. Es entspricht der Summe aller Erwerbs- und Vermögenseinkommen, die in der Berichtsperiode im Inland entstanden sind, zuzüglich der Abschreibungen und der (um die Subventionen verminderten) Produktions- und Importabgaben, sowie abzüglich des Saldo der Primäreinkommen. Nach der sog. Verwendungsrechnung ergibt sich das BIP als Summe der Konsumausgaben, der Investitionsausgaben, der Ausgaben des Staates für Güterkäufe sowie der Exporterlöse abzüglich der Importausgaben. Weltweit hatten 2003 die Volkswirtschaften der USA, Japans und Deutschlands das größte BIP erzielt.

Da das BIP nur die Summe aller in Geld beglichenen Leistungen misst und nicht ihren Nutzen (oder gar ihren Schaden), eignet es sich beispielsweise nicht zur Messung des Wohlstands oder der Lebensqualität.

 

Bruttonationaleinkommen

Wert aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einer Volkswirtschaft produziert bzw. erbracht werden. Größter Bestandteil des Bruttonationaleinkommens ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Summe aller innerhalb eines Jahres von den ständigen Bewohnern eines Staates erbrachten volkswirtschaftlichen Leistungen im Inland. Im Gegensatz zum Inlandskonzept des Bruttoinlandsproduktes wird also nicht der Ort betrachtet, an dem die Leistung erbracht wurde, sondern die Person, die sie erbrachte (Inländerkonzept). Der Unterschied zwischen BSP und BIP liegt im Außenhandel.

War das Bruttosozialprodukt früher der Hauptmaßstab zum Vergleich von Volkswirtschaften, verwendet man heute zu diesem Zweck meist das Bruttoinlandsprodukt.

 

Bruttosozialprodukt

1999 wurde die Bezeichnung "Bruttosozialprodukt" (BSP) im Zuge der Einführung des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen für Zwecke der amtlichen Statistik durch den Begriff "Bruttonationaleinkommen" ersetzt.

siehe Bruttonationaleinkommen

 

Buchgeld

siehe Giralgeld

 

Bürgengemeinschaft

Die Bürgengemeinschaft ist ein von der GLS-Bank entwickeltes Kredit-Instrument, bei der eine Gruppe von Menschen durch kleine Bürgschaftsbeträge für ein gemeinnütziges Projekt mit in die finanzielle Verantwortung geht und damit für die Bank einen wesentlichen Beweis für die Solidität und Nachhaltigkeit dieses Vorhabens erbringt. Wenn der Kreditnehmer beispielsweise 30 Menschen von seinem Projekt überzeugen kann und diese jeweils für höchstens 3000 Euro bürgen, dann vertraut auch die GLS-Bank dem Kreditnehmer und überweist bis zu 90.000 Euro. Die Bürgengemeinschaft folgt dem Prinzip „Vertrauen gegen Vertrauen“.

 

Careholder Value

Der Careholder Value bezeichnet eine Trendwende vom auf schnelle Gewinne ausgerichteten Shareholder Value, der zu einer langen Reihe verheerender Finanzkrisen geführt hat, zu einem sozial orientierten betriebswirtschaftlichen Handeln. Mit dem Careholder Value sollen die Verantwortlichen aller Unternehmen sich ihrer Verantwortung auch für das Gemeinwohl bewusst werden. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen, die zur Gleichheit und Stabilität beitragen, stehen im Vordergrund. Die „Sorgfaltspflicht“ soll beim Careholder Value alle Bereiche der Wirtschaft durchdringen.

Ähnlich ist das Konzept des Stakeholder Value. Bei diesem Konzept geht man davon aus, dass durch die Kooperation unterschiedlichster Interessensgruppen bestimmte Unternehmensziele besser erreicht werden können. Diese Gruppen oder Einzelpersonen nehmen aktiv Einfluss auf Entscheidungen im Unternehmen, stellen im Gegenzug Ressourcen zur Zielerreichung und Strategieverwirklichung des Unternehmens zur Verfügung.

 

Chiemgauer

www.chiemgauer.info

 

Clearinghouse

Ein „Clearinghouse“ kann einzelne komplementäre Währungssysteme wie Tauschringe oder Pflegesysteme über eine internetbasierte Verrechnungsstelle miteinander verbinden. Am einfachsten lässt sich ein Clearinghouse als ein Tauschring für Tauschringe beschreiben. Während Tauschsysteme einzelne Akteure untereinander vernetzen, vernetzt ein Clearinghouse einzelne Währungssysteme miteinander. Im Clearinghouse werden die Bedingungen für Austausch und Interaktion festgelegt, und so lassen sich nicht nur lokale, sondern auch regionale komplementäre Währungen miteinander verknüpfen, ja sogar auf internationaler Ebene herstellen.

Natürlich lassen sich ähnliche Systeme mit in etwa gleichen Zielsetzungen relativ einfach miteinander verbinden. Aber man kann auch vollkommen verschiedene Systeme verknüpfen. So können Währungen zu einem bestimmten sozialen Zweck (wie die Fureai-Kippu-Pflegewährung) sich an die Regionalwährung binden, wenn man die Bedingungen des Austausches vorher festlegt. Selbst kommerzielle Systeme zur Kundenbindung oder Unternehmenswährungen, seien es nun Business-to-Customer-(B2C-) oder Business-to-Business-(B2B-)Modelle lassen sich - mit einigen Vorsichtsmaßnahmen - integrieren.

Um das Verrechnen der Werteinheiten über die Grenzen der jeweiligen komplementären Währungssysteme möglichst einfach zu gestalten, kann eine Clearing-Software für die technische Abwicklung genutzt werden. Wenn regional verankerte Währungssysteme - wie wir oben gesehen haben - sich aufgrund ihrer Zielsetzung aus einem Verbund mit anderen ausschließen, kann das unter Umständen bedeuten, dass in einer Stadt zwei unterschiedliche Clearingsysteme nebeneinander geschaffen werden müssen.

Die Clearinghouse-Strategie ist aus vielerlei Gründen ein wichtiger Faktor für die Vernetzung und Entwicklung von komplementären Währungen. Einer der wichtigsten ist, dass es den Menschen ermöglicht, eine breitere Palette von Leistungen auf einem breiter aufgestellten Markt anzubieten und abzurufen. Es erlaubt ihnen, am regionalen Währungssystem teilzunehmen, ohne dass sie ihr eigenes System aufgeben, und verhindert, dass verschiedene lokale Währungssysteme miteinander um Teilnehmer konkurrieren.

 

Kategorisierung:

Typ 1 Kleinraum-Clearing für homogene Systeme (regionale Vernetzung gleichartiger Komplementärwährungssysteme in einer Stadt/Region)

Typ 2 Kleinraum-Clearing für inhomogene Systeme (regionale Vernetzung unterschiedlicher Komplementärwährungssysteme in einer Stadt/Region)

Typ 3 Großraum-Clearing für homogene Systeme (nationale und internationale Vernetzung gleichartiger regional organisierter Komplementärwährungssysteme)

Typ 4 Großraum-Clearing für inhomogene Systeme (nationale und internationale Vernetzung von unterschiedlichen Komplementärwährungssystemen)

 

Curitiba, Brasilien

Das rapide Bevölkerungswachstum in den brasilianischen Großstädten hatte auch in Curitiba zur Bildung der landestypischen Elendsviertel (Favelas) geführt. Ein großes Problem der Millionenstadt war bis Mitte der 1970er Jahre der Müll, da die Straßen für die städtische Abfuhr zu eng und unbefahrbar waren. Die Ausbreitung zahlreicher Krankheiten wurde untragbar.

Daraufhin führte die Stadtverwaltung eine Art "Mutual-Credit-System" ein, bei dem Dienstleistungen gegeneinander getauscht werden können. Am Rand der Favelas wurde ein Mülltrennungs-System mit riesigen Containern errichtet. Als Belohnung für die Vorsortierung erhielten die Bewohner Busfahrscheine bzw. Unterrichtsmaterial für die Kinder. Heute können auch Nahrungsmittel gegen die geleistete Arbeit eingetauscht werden. Mit der Zeit stellten sich spürbare Verbesserungen ein: Saubere Außenbezirke, Entlastung des Gesundheitswesens, Auslastung des öffentlichen Transportwesens, Senkung der Arbeitslosigkeit, verbesserte Schulbildung und ein lokales Wirtschaftswachstum.

Für seine vorbildliche Umweltpolitik (Mülltrennung, Recycling, hohe Luftqualität...) erhielt Curitiba 1992 von den Vereinten Nationen den Titel "Ökologische Hauptstadt Brasiliens".

 

E-Geld

Elektronisches Geld (= E-Geld«) ist neben dem herkömmlichen Bar- und Giralgeld eine neue Art des Geldes. Das E-Geld ist vom Ansatz her eine Digitalisierung des Bargeldes. Sein Entstehen verdanken wir dem Internet und der Chiptechnologie. Derzeit gibt es E-Geld nur hardwarebasiert in Form von elektronischen Werteinheiten, die in einem Chip auf einer Karte gespeichert sind, wie zum Beispiel in Deutschland die so genannte GeldKarte. Das hardwarebasierte E-Geld wird insbesondere für die Bezahlung von Kleingeldbeträgen genutzt.

Nach Umsetzung der E-Geld-Richtlinie innerhalb der EU kann die E-Geld-Herausgabe seit April 2002 nur durch herkömmliche Kreditinstitute oder so genannte E-Geld-Institute erfolgen.

Die eigentliche Überlegenheit des E-Geldes ist aber seine Programmierbarkeit. Die digitalen Werteinheiten können so programmiert werden, dass dieses Geld zum Beispiel nur von bestimmten Personen genutzt oder nur für bestimmte Güter bzw. in einer bestimmten Region ausgegeben werden kann. Man kann das Geld auch von vornherein zeitlich limitieren oder automatisch eine Wertminderung einbauen. E-Geld ist - im Gegensatz zum Bargeld - steuerbar, und hier liegt sein größtes Potenzial.

 

Einführungsprozess

Es gibt drei grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten zur Einführung einer Regionalwährung:

1. Der Prozess "von unten". Bei dieser Möglichkeit müssen die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen von den Vorteilen der neuen Regionalwährung überzeugt werden. Das Herangehen "Bottom up" wird vor allem dort gewählt werden, wo eine relativ langsame Einführung sinnvoll erscheint und wo eine finanzielle Unterstützung von außerhalb des Systems nicht möglich oder nicht erwünscht ist.

2. Die Einführung einer Regionalwährung lässt sich "von oben" - mit Unterstützung der regionalen Entscheidungsträger, einer Anschubfinanzierung von außen und einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit - in der Entwicklung beschleunigen. Dieses Herangehen ist dort zu empfehlen, wo die Probleme, die mithilfe der Komplementärwährung gelöst werden können, sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befinden und wo die notwendigen Mittel für die Einführung zur Verfügung gestellt werden können.

3. Der Prozess der Einführung kann auf einer "mittleren Ebene" beginnen, wenn bereits bestehende Initiativen wie zum Beispiel Tauschringe, Genossenschaftsbanken, Gutschein- und Bonussysteme sich miteinander zu einer Regionalwährung verknüpfen, verändern oder ergänzen lassen.

 

Einkommen

Unter Einkommen versteht man die Mittel, die einer Person in einem bestimmten Zeitraum für selbstständige oder nicht selbstständige Arbeitstätigkeit zufließen.

 

Energiewährung

Energiewährungen sind Währungen, deren Verrechnungseinheit auf einen bestimmten kWh-Betrag lautet. Es können sowohl Sektoralwährungen sein, mit denen Energiegewinnungsanlagen zur Nutzung Regenerativer Energie finanziert werden, als auch spezielle Warenreservewährungen, bei denen die Währungsdeckung in Form von kWh erfolgt. Die Idee dabei ist, Energie als neutralen Standard zur Absicherung einer Währung zu benutzen, da der langfristige Preis eines jeden Produktes abhängig ist von der Menge der Leistungen von Menschen und Tieren sowie der erneuerbaren und fossilen Energien, die in die Herstellung von Produkten einfließen.

Als einer der ersten entwickelte Shann Turnbull aus Australien mit seiner „Kilowatt Hour Currency“ 1977 ein Modell einer Energiewährung. Eine zurzeit laufende Energiewährung ist das WAT-System in Japan.

 

Europa der Regionen

Bezeichnung für ein politisches Konzept, das die Regionen in den EU-Mitgliedsländern fördern und in ihrer regionalen Eigenständigkeit unterstützen soll. Im Rahmen dieses Konzepts gibt es eine Vielzahl europäischer Aktivitäten und Programme, welche

a) die (wirtschaftliche, kulturelle etc.) Vernetzung zwischen den europäischen Regionen und

b) insbesondere die Bildung grenzübergreifender Regionen (EU-Regios) unterstützen.

Das Konzept wird vor allem von jenen Befürwortern der europäischen Integration gefördert, die sich für einen föderalistischen Aufbau der EU einsetzen und Demokratiedefizite durch eine bürgernahe und effiziente dezentrale politische Struktur abschwächen wollen. Allerdings verfügen nur wenige EU-Länder über (mehr oder weniger) eigenständige unterhalb der Ebene des Nationalstaates angesiedelte und mit eigenen politisch-demokratischen Organen ausgestattete Regionen (wie z.B. die dt. Bundesländer).

Ein Europa der Regionen wäre also eine logische Fortsetzung bzw. Erweiterung dessen, was ohnehin schon EU-Prinzip ist. Würden nicht Schottland, die Bretagne und Galizien in direktem Umgang mehr voneinander lernen, als London, Paris und Madrid in ihrem Namen vermitteln können?

 

Fiat-Money

fiat money (= »Es werde Geld«)

Eine Währung, die von einer zentralen Autorität "aus dem Nichts" geschaffen wird, meist vom Staat geschaffenes Papiergeld ohne Deckung durch Metallgeld. Alle Landeswährungen sind Fiat-Money.

 

Fureai Kippu

Bei den Fureai-Kippu-Systemen handelt es sich um japanische Pflegewährungen, mit denen versucht werden soll Lücken in der Wohlfahrt zu füllen. Pflege, Kindererziehung usw., die in der Familie selbst nicht mehr geleistet werden kann, soll mit Hilfe von Zeitdepots erfüllt werden, wobei man die eigene Zeitgutschrift auch auf hilfebedürftige Familienmitglieder übertragen kann, wenn man sie selber nicht benötigt.

Fureai-Kippu ist kein einheitliches, zentrales System. Man nennt diese Währung zwar kippu, also „Ticket“, doch die Verrechnungseinheiten existieren nur in elektronischer Form. Papier wird dabei nicht verbraucht. Das System wird dezentral von PCs aus gesteuert.

Einige der Fureai-Kippu-Systeme nutzen zwei Zahlungswege: Sie bezahlen in konventionellem Geld (die Entlohnung liegt allerdings unter dem Mindestlohn der jeweiligen Gegend) und schreiben Einheiten auf den Zeitbankkonten gut. Dabei wird deutlich gemacht, dass das Bargeld „keine Bezahlung für geleistete Dienste ist, sondern vielmehr eine Möglichkeit, seine Dankbarkeit zu zeigen“. Der Betrag ist daher nicht an die geleistete Arbeit gebunden. „In Japan schätzt man es nicht, wenn man sich von Menschen, die nicht zur Familie gehören, helfen lassen muss, ohne diese dafür bezahlen zu können. Wenn ein wenig Geld fließt, stehen Pflegender und Gepflegter auf gleicher Stufe.“ Daher lässt sich das Fureai-Kippu-System in verschiedene Untergruppen unterteilen, je nachdem, wie das Verhältnis zwischen Zeitwährung und Standardwährung aussieht:

       Time-Dollar-Systeme, bei denen nur Zeiteinheiten gutgeschrieben werden.

       Wahlweise Zeitgutschrift oder Auszahlung in Standard-Währung: Mehr als 60 Prozent des Fureai-Kippu-Systems funktionieren so. Manchmal sind es die Pfleger selbst, die wählen, ob sie lieber Bargeld oder Zeitgutschriften möchten.

Umfragen unter den Nutzern des japanischen Fureai-Kippu-Systems, bei dem Pflegestunden geleistet und gutgeschrieben werden, haben gezeigt, dass alle Betroffenen lieber von den Pflegern betreut wurden, die dies für die „Pflege-Tickets“ der Fureai Kippu taten, als von solchen, die in harten Yen bezahlt wurden. Als Begründung dafür wurde meist angegeben, dass „die Beziehung zum Pfleger einfach eine andere“ sei.

 

Fungibilität

ist ein Begriff aus der Finanzwissenschaft. Mit der Fungibilität einer Kapitalanlage wird umschrieben, wie leicht man eine Form der Investition in eine andere umwandeln kann.

So sind Wertpapiere, die an einer Börse notiert werden, eine sehr fungible Anlage, da der Investor sie sehr leicht zu Geld machen oder in eine andere Anlageform umwandeln kann. Wenn ein Investor dagegen spezifische Maschinen oder eine Immobilie erworben hat, ist es für ihn viel schwieriger und umständlicher, die Investition rückgängig zu machen oder zu verändern; daher ist diese Form der Geldanlage weniger fungibel.

 

Geld

Synonym für Währung.

Geld ist eine Vereinbarung in einer Gemeinschaft, etwas als Tauschmittel zu verwenden. Als Zahlungsmittel ist Geld ein Zwischentauschmittel, da nicht direkt Waren oder Dienstleistungen getauscht werden.

Die klassische Ökonomie definiert Geld gewöhnlich nicht darüber, was es ist, sondern was es tut; d. h. nach seinen Funktionen. In diesem Sinne haben die konventionellen nationalen Währungen vier Funktionen: Erstens ermöglicht Geld Tauschbeziehungen zu vereinfachen (Tauschfunktion), zweitens kann der Wert jedes Gutes und jeder Dienstleistung in Geldeinheiten ausgedrückt werden (Rechenmittelfunktion). Drittens ermöglicht Geld, den Wert eines Gutes zu »konservieren« (Wertaufbewahrungsfunktion), vorausgesetzt es kommt nicht zu einer Geldentwertung (Inflation). Und viertens ist Geld ein gesetzliches, allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel.

 

Geldabfluss

Für »periphere« Regionen - und dazu gehören in Zukunft die meisten, die sich nicht in Niedrigstlohnländern befinden -sind der Abfluss von Kapital, die Verlagerung von Firmen und der Verlust von Arbeitsplätzen der Beginn einer Abwärtsspirale, die sie mit herkömmlichen Mitteln nicht aufzuhalten in der Lage sind.

Während der Euro keinerlei regionale Verpflichtungen hat und an den Kapitalmärkten zumeist höhere Renditen erzielt als bei Investitionen in peripheren Regionen, fließt er aus diesen Regionen ab in die großen Finanzzentren und wird von dort weitergeleitet zu den Plätzen, an denen das meiste Geld verdient wird, zum Beispiel in den asiatischen Raum. Allein die Volksrepublik China, Hongkong und Taiwan zusammen zogen 2003 fast 70 Prozent des gesamten internationalen Investitionskapitals an.

Bei den Banken Systems Westirlands beispielsweise beträgt das Verhältnis zwischen Einlagen und Darlehen Schätzungen zufolge durchschnittlich 2 zu 1 beträgt. In den peripheren Gebieten verändert sich dieses Verhältnis jedoch wesentlich und beträgt oft 4 zu 1 bis 6 zu 1. Werden die Ersparnisse bei überregionalen Finanzinstitutionen angelegt und von diesen nach Kriterien der Rentabilität als Kredit vergeben, kehren sie in den seltensten Fällen in die peripheren Regionen mit landwirtschaftlicher Erwerbsstruktur zurück. Diese erfüllen bekanntermaßen nicht dieselben Kriterien wie wohlhabende städtische Regionen.

 

Geldfunktionen

Folgt man den klassischen Theorien, dann sind die drei wichtigsten Funktionen von Geld die folgenden:

1.            die Festlegung des Wertstandards,

2.            die Nutzung als Tauschmittel und

3.            die Nutzung als Mittel zur Wertaufbewahrung.

 

Geldknappheit

Alle Landeswährungen erhalten ihren Wert nur durch ihre im Verhältnis zu ihrem Nutzen stehende knappe Menge. Für unsere Zwecke liegt der Gegensatz nicht im Überfluss, sondern in einer ausreichend vorhandenen Menge. So steht Geld in einem wechselseitigen Kreditsystem immer in ausreichendem Maße zur Verfügung (da die Beteiligten das Geld im Moment der Transaktion durch ein Haben bzw. Soll auf ihrem Konto schaffen).

 

Geldschöpfung

Als Geldschöpfung bezeichnet man den Prozess der Schaffung von Geld durch Kreditbeziehungen innerhalb des Bankensystems beziehungsweise zwischen Banken und sogenannten Nicht-Banken, das sind Unternehmen und Privatpersonen. Die nominale Geldmenge unterliegt dadurch nur zu einem geringen Teil dem unmittelbaren Einfluss der Zentralbank. Da diese allerdings an einer Kontrolle des Geldumlaufs interessiert ist, da zwischen Geldmenge und Inflation langfristig eine stabile Beziehung besteht, sucht sie auf die Geldschöpfung Einfluss zu nehmen.

Man unterscheidet Bargeldschöpfung (Ausgabe von Münzen und Banknoten durch den Staat bzw. die Notenbank) und Giralgeldschöpfung (Begründung von Sichtguthaben bei den Kreditbanken). Passive Giralgeldschöpfung liegt dann vor, wenn die Initiative zur Giralgeldschöpfung vom Bankkunden ausgeht, indem dieser bei dem Kreditinstitut Bargeld einzahlt und dadurch ein Sichtguthaben begründet. Dagegen spricht man von aktiver Giralgeldschöpfung, wenn die Kreditbank Aktiva erwirbt, die nicht Geld sind. Da eine Überversorgung der Volkswirtschaft zur Inflation, eine Unterversorgung zur Deflation führen kann, ist die Kontrolle der Geldschöpfung eine der wichtigsten Aufgaben der Zentralnotenbank.

 

Der Geldschöpfungsprozess:

Banken erhalten von ihren Kunden Einlagen, zum Beispiel in Form von Einzahlungen auf Sparbücher. Da der Sparer hierfür eine Verzinsung erwartet, sind die Banken wiederum daran interessiert, mit Hilfe der empfangenen Einlagen selbst Zinsen zu erwirtschaften. Dies gelingt ihnen, indem sie Kredite vergeben. Da diese Kredite für Käufe verwendet werden, erscheinen sie früher oder später in Form von Einzahlungen auf ein Bankkonto wieder als Spareinlage bei einer Bank. Damit verfügt diese erneut über Geld, um weitere Kredite vergeben zu können. Es bildet sich also eine Spirale von empfangenen Einlagen und vergebenen Krediten heraus, die sich rein theoretisch unbegrenzt weiterdrehen könnte. Eine natürliche Begrenzung dieser Spirale ergibt sich allerdings bereits dadurch, dass Banken in der Lage sein müssen, ihren Kunden Geld auszahlen zu können, wenn diese das wünschen. Folglich müssen sie eine Liquiditätsreserve halten, können also mit anderen Worten die Einlagen nicht in voller Höhe wieder als Kredit auszahlen.

 

Geldwertstabilität

Bleibt der Wert des Geldes stabil, bedeutet dies, dass die Gütermenge, die man mit einer bestimmten Menge inländischen Geldes kaufen kann, über die Zeit konstant bleibt. Kann umgekehrt mit einer Einheit inländischer Währung im Zeitablauf immer weniger gekauft werden, so sinkt der Wert des Geldes, es kommt zu einem Verlust der Kaufkraft. Die Sicherung der Geldwertstabilität ist die wichtigste Aufgabe der Notenbank.

 

Gemeinnützige Vereine

Der Begriff Verein (Rückbildung aus vereinen) bezeichnet eine Organisation, in der sich Personen zu einem bestimmten gemeinsamen, durch Satzungen festgelegten Tun, zur Pflege bestimmter gemeinsamer Interessen oder ähnlichem zusammengeschlossen haben.

Gemeinnützigkeit ist ein rein steuerrechtlicher Tatbestand. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erfolgt durch das zuständige Finanzamt. Vorteile der Gemeinnützigkeit sind insbesondere Steuerbefreiungen auf Gewinne und Umsätze sowie die Berechtigung, Zuwendungsbestätigungen für Spenden auszustellen.

Die Gemeinnützigkeit ist dann gegeben, wenn die Tätigkeit des Vereins von der Allgemeinheit als förderungswürdig anerkannt wird, eine erhebliche Leistung im Dienste der Allgemeinheit erbringt und dessen Mitglieder persönliche oder finanzielle Opfer erbringen. "Eine Körperschaft verfolgt gemeinnützige Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern ..."

Die Vereinsmittel müssen dauernd an die gemeinnützige Tätigkeit gebunden sein. Daher darf das Vermögen eines gemeinnützigen Vereins nicht an Personen verteilt werden, sondern die Satzung muss einen gemeinnützigen Empfänger des Vereinsvermögens im Fall seiner Auflösung ausweisen. Auch die Ziel-Menge der Menschen, für die der Verein tätig ist, muss offen definiert sein.

 

Genossenschaftsbank

Genossenschaftsbanken sind in Deutschland in der Regel Kreditinstitute mit der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft. Die Ansätze der Genossenschaftsbanken gehen auf die Grundsätze der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung von Franz Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Diese beiden gründeten unabhängig voneinander die ersten Kreditgenossenschaften. Während Volksbanken vorwiegend in städtischen Bereichen entstanden, wurden in ländlichen Gebieten Raiffeisenbanken gegründet.

Der Grundgedanke besteht gemäß § 1 des Genossenschaftsgesetzes in der Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft der Mitglieder mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebs. Die Mitglieder leisten dazu in die Genossenschaft einen Geschäftsanteil. Alle Mitglieder haben unabhängig von der Höhe der Einlage gleiches Stimmrecht in der jährlich stattfindenden Generalversammlung.

 

Giralgeld

Giralgeld oder Buchgeld ist ein Begriff im Rechnungs- bzw. Bankwesen für Geld, welches nicht als Bargeld (also in Form von Banknoten oder Münzen) vorliegt, sondern als jederzeit fälliges Guthaben auf einem Konto. Giralgeld umfasst die Gesamtheit aller täglich fälligen Guthaben bei Banken u. a. Kontostellen, die zum bargeldlosen Zahlungsverkehr verwendet werden. Es ist Bestandteil der in der Volkswirtschaft umlaufenden Geldmenge und bildet die entscheidende Grundlage der Geldschöpfung durch Banken.

 

Globalisierung

Unter Globalisierung versteht man den Prozess der zunehmenden weltweiten Vernetzung der nationalen Märkte und Gesellschaften auf Grund technischen Fortschritts in den Bereichen Information, Kommunikation, Transport und Verkehr sowie der zunehmenden Liberalisierung des Welthandels.

Der aus der Ökonomie und Soziologie stammende Begriff Globalisierung dringt nach 1990 in die öffentlichen Debatten und bezeichnet einen mehrdimensionalen Prozess der Zunahme der nationenübergreifenden, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Beziehungen. Dieser Prozess beginnt schon mit der Entwicklung des Kapitalismus - im Kommunistischen Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels findet sich eine der ersten empirischen Beschreibungen der globalen Ökonomie -, bekommt aber nach dem Zusammenbruch des Sozialismus eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit. Mit der Verdichtung der internationalen Beziehungen geht eine Zunahme der wechselseitigen Abhängigkeiten einher. Eine andere, wenig gebräuchliche Bezeichnung ist Mondialisierung. Einige bezeichnen den beschriebenen Prozess nicht als Globalisierung, sondern als Entnationalisierung oder Denationalisierung, um auszudrücken, dass nicht alle Länder auf diesem Globus an der weltumspannenden Vernetzung von Informations-, Waren-, Finanz- und Dienstleistungströmen teilhaben.

 

Graswurzelinitiativen

Als Graswurzelinitiativen bezeichnet man Bewegungen, die aus der politischen Basis heraus, also "von unten", entstehen. Graswurzelbewegungen können sowohl basisdemokratische wie auch anarchistische Strukturen aufweisen. Das Ziel von vielen Graswurzelinitiativen ist oft, gesellschaftliche Alternativen zum Bestehenden aufzubauen.

Deutsche Graswurzelbewegungen stehen in der Tradition der 68er-Bewegung, der Friedensbewegung, der Ursprünge der Grünen, der APO und vergleichbarer Gruppierungen.

 

Gutscheinsystem

Gutscheine können als regionales Zahlungsmittel eingesetzt werden, wie etwa wie in Prien am Chiemsee, wo das so genannte Regiogeld unter der Bezeichnung „Chiemgauer“ zirkuliert. Es sind also Regionalwährungen auf Papiergeldbasis. Die Gutscheine stellen dabei Dokumente dar, die einen Anspruch auf eine Leistung repräsentieren bzw. dokumentieren. Jeder Gutschein ist eine Urkunde. Gutscheine können rechtlich als Wertpapier oder als Beweisurkunde interpretiert werden.

 

Horten

Horten (Verb, abgeleitet von Hort), auch Hamstern genannt, bedeutet, Gegenstände oder Sachen wegen ihrer Kostbarkeit oder Knappheit zu sammeln und als Vorrat anzulegen. Heutzutage hat die Benutzung des Wortes horten meist einen leicht abwertenden Beigeschmack da, wenn jemand Dinge für eine unsichere Zukunft hortet und diese vielleicht von Anderen dringend benötigten Dinge nicht mehr zur Verfügung stehen.

Alle möglichen Dinge können gehortet werden, so beispielsweise Waffen, Geld, Devisen, Gold usw. In Notzeiten, insbesondere in Kriegszeiten, horten die Menschen Lebensmittel.

 

Inflation

Bezeichnung für die anhaltende Zunahme des allgemeinen Preisniveaus und des damit verbundenen Rückgangs der Kaufkraft. Inflation entsteht dadurch, dass die Menge des vorhandenen Geldes stärker steigt als die Gütermenge. Somit ist dann für eine bestimmte gleich bleibende Sache immer mehr Geld aufzuwenden bzw. umgekehrt kann man mit einer Geldeinheit immer weniger dieser Sache kaufen. Es ist zwar mehr Geld da, man ist aber nicht wirklich reicher. Gemessen wird die Inflation durch einen periodischen Vergleich der Preise eines »Warenkorbes«, der typische Waren und Dienstleistungen enthält.

 

Inflationsrate

In Prozent ausgedrückte Veränderung des allgemeinen Preisniveaus.

 

Investition

Investitionen stellen die Geldsummen dar, die mit dem Ziel ausgegeben werden, die Produktionskapazität eines Unternehmens oder Projektes zu verbessern oder zu steigern. Aus wirtschaftlicher Sicht ist eine Investition das Gegenteil von Verbrauch. Investition im unternehmerischen Sinn bezeichnet die Anschaffung von Maschinen, die Einstellung neuer Mitarbeiter und alle weiteren Maßnahmen, die der Sicherung und Erhöhung des wirtschaftlichen Erfolges dienen.

 

Japan

Die anhaltenden wirtschaftlichen Probleme seit 1990 haben in Japan zu einer gesetzlichen Lockerung zum Erproben von Komplementärwährungen geführt. Den größten Anschub dafür gab es 1995 nach dem schweren Erdbeben in Kōbe. Die Regierung war mit der Bereitstellung finanzieller Hilfen überfordert. So entstanden zahlreiche lokale Selbsthilfe-Organisationen, die eine landesweite Hilfe ermöglichten. Das traditionelle Ehrgefühl der Japaner sieht vor, fremde außerfamiliäre Hilfe zu belohnen. So entwickelten sich daraus verschiedene "Fureai-Kippu-Systeme", lokale Netzwerke auf gemeinnütziger Basis, in denen geleistete soziale Pflegedienste wahlweise in Yen ausgezahlt oder auf einem Zeitkonto gutgeschrieben werden. Man kann die eigene Zeitgutschrift auch auf hilfebedürftige Familienmitglieder übertragen, wenn man sie selber nicht benötigt.

 

In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Währungskombinationen in unterschiedlicher Form und für verschiedene Zwecke wie Bildung, Umweltschutz, Nachbarschaftshilfe, Katastrophenschutz, biologischer Lebensmittelanbau und diverse Maßnahmen zur Bewahrung kultureller Werte, wie Theater- und Musikaufführungen. Sie alle bilden ein großes Experimentallabor mittelfristiger Projekte zur Erforschung der geeignetsten Modelle. Im August 2002 verkündete der Wirtschaftsminister Takenaka seine Ansicht, dass der Einsatz von Komplementärwährungen Japan aus der Deflation befreien würde, weil auf diese Weise endlich wieder Geld auf lokaler Ebene bereit stünde.

 

Der japanische Autor und Wirtschaftsanalytiker Eiichi Morino vergleicht die Komplementarität zwischen dem Yen und den lokalen Zweitwährungen mit dem Yin und Yang-Prinzip:

Deshalb sagen wir, dass eine gut funktionierende Wirtschaft aus Yin-Wirtschaft und Yang-Wirtschaft besteht. „Die bestehende Wirtschaft ist jedoch nur als Yang-Wirtschaft konzipiert. In diesem Sinne kann man die Lokalwährung als Yin-Wirtschaft verstehen. Die Yin-Wirtschaft und die Yang-Wirtschaft müssen ineinander greifen, und so wie das Blut im Körper zirkuliert sollte auch das Geld in der Wirtschaft zirkulieren.“

 

Justus

www.giessener-justus.de

 

Kann Was

www.kannwas.org

 

Kapital

Das Wort „Kapital“ stammt vom lateinischen Wort caput ab, was einfach »Kopf« bedeutet. Und das hieß schlichtweg „Stück Vieh“ - wie bei Homer, im Texas des 21. Jahrhunderts oder bei den Watusi, wo man von einem reichen Mann etwa sagt: „Er ist tausend Kopf schwer.“ In der westlichen Welt wurde - vom alten Ägypten bis zum Europa des 18. Jahrhunderts - Wert vor allem in Land gemessen. Dazu zählten auch die Mittel zu seiner Bearbeitung (Bewässerungsanlagen, Plantagen usw.).

In der Volkswirtschaftslehre steht Kapital als gebräuchliche Bezeichnung für den Produktionsfaktor, der den Wert für die Produktion benötigten Werkzeuge, Maschinen, maschinelle Anlagen und Bauten umfasst. In der Betriebswirtschaftslehre wird das Vermögen eines Unternehmens, welches der Bilanz zu entnehmen ist, als Kapital bezeichnet. Das Kapital eines Unternehmens gliedert sich in Eigenkapital und Fremdkapital.

Im engeren finanziellen Sinn ist Kapital eine Geldsumme, aus der man ein Einkommen beziehen kann. Die traditionellen Mittel zum Bezug dieses Einkommens sind Zinsen (durch Kreditvergabe) und Dividenden (bei Aktien).

Es lassen sich folgende Arten von Kapital unterscheiden: Geldkapital, Sachkapital (Produktionsmittel wie Gebäude und Ausstattung), geistiges Kapital (Patente, geistiges Eigentum), soziales Kapital (Beziehungen innerhalb einer Gemeinschaft) und natürliches Kapital ("Mutter Natur").

 

Kapitalmobilität

Die globale Kapitalmobilität, die die Welt in einen fast vollständig vernetzten Wirtschaftsraum verwandelt hat, findet eben nicht „wertfrei“ statt, sondern ist ein wesentlicher Grund für die Ungerechtigkeit in der Verteilung des Zugangs zu den Ressourcen dieser Welt. Dies hatte der erste Bericht des Club of Rome, der die gesamte Nachhaltigkeitsdebatte 1972 eröffnete, leider übersehen. Dennis L. Meadows betrachtete Geld als ein passives Buchhaltungssystem, welches den Aspekt Nachhaltigkeit weder im negativen noch im positiven Sinne beeinflussen würde. Ein neuerer Bericht des Club of Rome, der den Titel trägt: „Wie wir wirtschaften werden - Szenarien und Gestaltungsmöglichkeiten für zukunftsfähige Finanzmärkte“, identifiziert nun als eine wichtige Komponente des nachhaltigen Wirtschaftens die Einführung komplementärer lokaler und regionaler Währungen.

 

Kaufkraft

Die Kaufkraft gibt an, welche Gütermenge mit einer bestimmten Geldmenge erworben werden kann.

 

Kirschblüte

www.kirschbluete-regional.de

 

KMU

Abkürzung für klein- und mittelständische Unternehmen.

 

Knappheit

Knappheit ist das (zu) seltene Vorkommen bzw. in unzureichender Menge Vorhandensein angestrebter materieller oder ideeller Güter/Werte.

Vgl. Geldknappheit

 

Komplementärwährung

Eine Komplementärwährung (frz. complément = Ergänzung) ist eine Währung, die den Charakter einer Komplementarität hat. Sie ist die Vereinbarung innerhalb einer Gemeinschaft, etwas zusätzlich neben dem offiziellen Geld als Tauschmittel zu akzeptieren. Diese zusätzliche Währung kann sowohl eine Ware, eine Dienstleistung oder eine geldäquivalente Gutschrift sein. Sie wird in dem Sinne als "Geld" aufgefasst, dass sie die ursprüngliche und eigentliche Funktion des Geldes als "Tauschmittel" erfüllt.

Ziel einer solchen Vereinbarung ist es, bestehende soziale, ökonomische und ökologische Ungleichgewichte zu kompensieren, die sich aus der Monopolstellung der offiziellen Währung bei lang andauernder Knappheit ergeben, ohne die Standardwährung gänzlich zu verdrängen. Die Komplementarität bewirkt durch die antizyklischen Umlaufgeschwindigkeiten beider Währungen die Stabilisierung räumlich definierter Wirtschaftskreisläufe, wo eine Monopolwährung einen konstanten Geldfluss nicht gewährleistet.

Je nach Verwendungszweck und Geltungsbereich werden bereits seit vielen Jahrhunderten kombinierte Währungssysteme innerhalb von Gemeinschaften erfolgreich praktiziert. Meist wird es so gehandhabt, dass Steuern nur mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel beglichen werden können, Alltagsgeschäfte im Waren- und Dienstleistungsbereich hingegen zu einem Teil auch mit der Zweitwährung bezahlt werden können. Besonders im Zuge der fortschreitenden Globalisierung haben sich seit den 1990er Jahren weltweit zahlreiche Komplementärwährungen etabliert, mit denen ökonomisch geschwächte und benachteiligte Regionen ihre Wirtschaft revitalisieren und sich von äußeren Geldgebern unabhängig machen konnten.

Schließlich geht es bei komplementären Währungssystemen auch um effektive und nachhaltige Methoden zur Bewahrung einer weltweiten kulturellen Vielfalt, um die Verwirklichung von Selbstbestimmungsrechten und um die Vermeidung lang anhaltender sozialer Unruhen, sofern diese durch monetäre Unterversorgung verursacht werden.

 

Währungsaspekte:

Ein wichtiges Kriterium für regionale Komplementärwährungen ist die Abgrenzung gegenüber der gesetzlich gültigen Nationalwährung. Für die Nutzer muss optisch erkennbar sein, dass es sich nicht um die Nationalwährung handelt. Komplementärwährungen in Form von Bargeld (Münzen, Banknoten oder sonstige dingliche Gegenstände, die eine Zahlungsmittelfunktion ausüben) müssen also auf jeden Fall äußerlich abweichen von dem staatlichen Bargeld. Sie können aber auf die gleiche Währungseinheit (zum Beispiel Euro) lauten.

Bei anderen „virtuellen“ Formen von regionalen Komplementärwährungen, die wie Giralgeld oder E-Geld funktionieren, ist eine solche Abgrenzung derzeit nur erreichbar, wenn der Name der Währungseinheit von der Nationalwährung abweicht.

 

Konto

Als Girokonto bei einer Bank geführtes Verzeichnis zur Erfassung aller wertmäßigen Veränderungen, vor allem des Geldeingangs und -abgangs. Darüber hinaus werden aber auch bei Unternehmen oder beim Staat Veränderungen von Beständen bzw. Werten auf Konten erfasst. Neuerdings gewinnen so genannte Zeitkonten zunehmend an Bedeutung. Hier werden Überstunden gutgeschrieben, die dann als Freizeit aufgebraucht werden können.

 

Kooperationsring

Ein Kooperationsring beruht auf ein bargeldloses Verrechnungs- und Kreditsystem zum Austausch von Waren und Dienstleistungen, schwerpunktmäßig zwischen gewerblichen und professionellen Teilnehmern. Er soll die Liquidität von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) erhöhen, aber auch den Bewohnern der Region eine Möglichkeit bieten, ihre Leistungen miteinander zu verrechnen.

Der Kooperationsring soll das Konzept von den zwei anderen Grundmodellen vereinen: dem Tausch­ring, der zumeist gemeinnützig auf der lokalen Ebene funktioniert, und dem kommerziellen Barterbusiness, das im nationalen und internationalen Bereich kommerziell operiert.

Der Kooperationsring ermöglicht eine besondere Form von Zusammenarbeit. Er ersetzt den Wettbewerb nicht, sondern ergänzt ihn. Denn die teilnehmenden Firmen und Individuen selbst räumen sich wechselseitig zinslose Waren- und Dienstleistungskredite ein. Indem sie sich in ihrem jeweils individuell mit der Zentrale abgestimmten Einkaufs- bzw. Überziehungsrahmen eine Frist setzen, ihre Minussalden durch den Verkauf eigener Leistungen auszugleichen, funktioniert das Ganze.

Ein gut funktionierendes Beispiel dieser Art gibt es seit 1996 mit dem Talente-Tauschkreis Vorarlberg. Ein anderes Beispiel, welches allerdings nur für KMUs funktioniert, besteht seit über fünfzig Jahren in dem Schweizer WIR-Ring.

 

Kredit

Die Überlassung von Geld oder Wertgegenständen mit der Verpflichtung diese oder Vergleichbares wieder zurückzugeben. Häufig wird für die Dauer der Überlassung vom Kreditnehmer eine Leistung, z. B. in Form von Zinsen verlangt.

 

Kredit, wechselseitiger

Prozess der Geldschöpfung durch die gleichzeitige Entstehung von „Soll“ und „Haben“ bei den Beteiligten einer Transaktion. Zu den Beispielen von wechselseitigen Kreditsystemen zählen LETS, Time Dollar, Tlaloc und ROCS. Wenn Julia beispielsweise im Time-Dollar-System eine Stunde Arbeit für James leistet, ist ihr Konto mit einer Stunde im Haben, das von James mit einer Stunde im Soll. Die beiden haben die Time Dollars geschaffen, die für ihre Transaktion nötig sind, indem sie sich mit der Transaktion einverstanden erklärten. Der Hauptvorteil der wechselseitigen Kreditsysteme (Mutal Kredit) liegt in ihrer Fähigkeit zur Selbstregulierung, so dass die Währung immer in ausreichendem Maße zur Verfügung steht.

 

Kreditinstitut

Oberbegriff für Banken, Sparkassen, Girozentralen

 

Kundenbindung

Neben Maßnahmen die der Zufriedenheit des Kunden dienen, gibt es in den meisten Geschäftsformen Programme zur Kundenbindung. Hierbei handelt es sich um Maßnahmen, mithilfe derer sich Kunden in ihrem Konsumverhalten an ein Unternehmen binden sollen.

In Handel und Dienstleistung werden Stammkunden häufig durch Bonussysteme wie Prämien, Rabatte oder Geschenke belohnt. Der Anbieter gibt damit Anreize für wiederholte Geschäftsbeziehungen. Klassisches Beispiel sind die Rabattmarken der 1950er Jahre.

Kundenbindungsprogramme sind häufig mit einer Kundenkarte (Club-Karte, Bonuskarte) verknüpft. Der Anbieter erhält dadurch auch Name und Adresse des Kunden und kann diese zur Analyse des Kaufverhaltens und gezielte Werbung nutzen.

Besonders wirksam sind Kundenbindungsprogramme bei Geschäftskunden, wenn diese die Vergünstigung privat in Anspruch nehmen können. In diesem Fall fällt die Prämie bei der Auswahl des Anbieters stärker ins Gewicht, als der eigentliche Kaufpreis.

1. Häufige Kundenbindungsmaßnahmen sind Kundenkarten (z.B. Payback, Happy Digits), Vielfliegerprogramme oder Webmiles.

 

LETS

Abkürzung für Local Exchange Trading System (Lokales Tauschhandelssystem), die weltweit häufigste lokale Währung, organisiert nach dem wechselseitigen Kreditsystem.

 

Liquidität

Das gegenwärtige Geldsystem wirkt wie eine Pumpe, die das Kapital aus den Gebieten, in denen es verdient wird, absaugt und in Gegenden pumpt, in denen es die höchste Rendite erzielt. Deshalb wird eine Verkürzung des Geldkreislaufs, der sich nach den Erfordernissen der Region richtet, eminent wichtig. Nur dadurch erhält sich eine Region ihre eigene Liquidität. Das heißt: Soll die neue Währung an­ders als die heutige Währung, die in der Regel dem höchsten Profit dient, der Region dienen, so muss sie auf das betreffende Gebiet begrenzbar sein.

 

Mitgliedsbank

Eine Bank, die nach dem Grundsatz eines nachhaltig stabilen und nicht auf Wachstum angewiesenen Spar- und Kreditmodells arbeitet. Mitglieder erhalten zinslose Darlehen, die gleichzeitig mit einem Sparplan verbunden sind. Das Konzept einer regionalen Mitgliedsbank beruht weitgehend auf dem Modell und den Erfahrungen der schwedischen JAK-Mitgliedsbank, eine der wenigen kooperativen Banken der Welt, die statt Zinsen nur ihre Arbeit berechnen. Die JAK-Bank existiert bereits seit über vierzig Jahren.

Die Mitgliedsbank kann der Kreditgewährung und Verwaltung wertstabiler Spareinlagen - sowohl in Euro wie auch in der Regionalwährung - für Einzelne und Unternehmen dienen.

 

Münzen

Eine Münze (lateinisch: moneta) ist ein meist rundes, aus Metall geprägtes (seltener auch gegossenes) Zahlungsmittel. Münzgeld wird in Kurant- und Scheidemünzen unterschieden. Während bei Kurantmünzen der Metallwert und der aufgedruckte Betrag in Geldeinheiten übereinstimmen, liegt der aufgedruckte Wert von Scheidemünzen zum Teil erheblich über dem Metallwert.

 

Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit bezeichnet das Ziel nachhaltiger Entwicklung. Nachhaltige Entwicklung ist somit der Prozess, welcher zu diesem Ziel führt. Mit einer nachhaltigen Entwicklung soll den Bedürfnissen der heutigen Generation entsprochen werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen (Verkürzte Definition Brundtland-Bericht).

Vereinfacht und konkret ausgedrückt: Die dauerhafte Existenzfähigkeit der Erde und Ökosysteme ohne Grenzüberziehung ist zusammen mit der Erfüllung der Grundbedürfnisse aller Menschen und zukünftiger Generationen das eigentliche Ziel von Nachhaltigkeit. Der Weg hierhin ist die nachhaltige Entwicklung aller Bereiche.

Das Drei-Säulen-Modell geht von der Vorstellung aus, dass Nachhaltigkeit durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, sozialen und wirtschaftlichen Nachaltigkeitsprinzipien erreicht werden könne. Dabei können diese drei Dimensionen unterschiedlich gewichtet werden. Kritisch betrachtet ist das Drei-Säulen-Modell nicht mit den Schlüsselprinzipen der Brundtland-Definition kompatibel.

Die Eigenschaft nachhaltig ist seit längerem im allgemeinen Sprachgebrauch verankert, z.B. als nachhaltige Besserung. Bedingt durch seine Popularität hat die Aussagekraft des Begriffes stark abgenommen. Der Begriff wird häufig ohne ein tatsächliches Verständnis seiner Hintergründe benutzt ("nachhaltige Kursentwicklung von Aktien"). Dies gilt sogar für den politischen Bereich, z.B. der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel.

 

Nebengeld

Nebengeld (jur. Begriff) existiert neben der staatlichen (National-)währung bzw. neben dem gesetzlichen Zahlungsmittel (legal tender). Nebengeld darf nicht durch die Akzeptanz bei Dritten eine Geldfunktion aufweisen. Die Gesetze in der Bundesrepublik verbieten die Ausgabe von echtem Nebengeld in Papierform. Gutscheine hingegen sind erlaubt, solange sie nicht über Dritte umlaufen.

Im ökonomischen Sinn ist Nebengeld jedoch Geld (kein Gutschein). Die Einsatzmöglichkeiten des Nebengeldes können begrenzt sein: lokal, regional, sektoral. Nebengeld verhält sich komplementär oder substitutiv zum gesetzlichen Zahlungsmittel und kann der Geldpolitik der Zentralbank unterliegen.

Nebengeld kann Bargeld, Giralgeld oder E-Geld sein, das in einem bestimmten Umfang als Zahlungsmittel genutzt wird bzw. von Dritten als Zahlungsmittel akzeptiert wird, für die anderen Spielregeln als bei der Nationalwährung gelten. In der Regel ist Nebengeld in einer proprietären (nicht-staatlichen) Werteinheit nominiert, welcher einen festen oder flexiblen Kurs zur Nationalwährung aufeist. Nebengeld wird nicht von einer staatlichen Instanz herausgegeben.

 

Notenbank

siehe Zentralbank

 

Nutzungsgebühr

Nutzungsgebühr (= Demurrage oder Zinsen)

Im vorherrschenden Geldsystem übernimmt der Kapitalzins die Funktion der Nutzungsgebühr für die Überlassung von Geld oder Kapital. Demurrage hingegen ist eine Verfallsgebühr, ein negativer Zins, auf Bargeld. Die Demurrage führt zu einem schnelleren Geldumlauf, da der Besitzer bestrebt ist, das Geld durch Eigenverbrauch oder Investitionen auszugeben, bevor es verfällt.

Im alten Ägypten wurde Getreide als Geld verwendet, das in Speichern eingelagert wurde, wobei Tonscherben als Besitznachweis ausgegeben wurden. Diese wurden dann als Geld im Wirtschaftsleben verwendet. Das Getreide konnte man sich mit einem Verfalls- und Lagerabschlag von 10% pro Jahr wieder bei Bedarf abholen. Dieses System kam zwischen 1900 und 1600 v. Chr. auf, nach der Eroberung Ägyptens durch die Römer wurde das römische Münzgeld eingeführt.

Im Mittelalter wurde in Europa von den lokalen Herrschern und Klöstern das Münzgeld in bestimmten Situationen für ungültig erklärt und mit einem Abschlag gegen Neuprägungen umgetauscht. Diese Abstände variierten im Rahmen von mehrfach jährlich bis zu alle 7 Jahren, bei den Abschlägen gab es Schwankungen zwischen etwa 15% und 40%. Die Differenz fiel dem Herrscher bzw. Kloster zu. Dies war hauptsächlich zwischen den Jahren 1075 und 1400 gebräuchlich. Aufgrund von Handhabungsproblemen mit der angewachsenen Geldmenge, dem Silberschmelzverlust beim Umprägen, und auf Drängen von Kaufleuten, die ein dauerhaftes weitreichendes Geld wollten, wurde die Münzverrufung aufgegeben und durch Handels- und Verbrauchssteuern ersetzt.

In der Neuzeit wurden einige Projekte mit Demurrage ausgestatteten Geldern unternommen, so das Experiment in Wörgl (1932), der WIR-Bank in der Schweiz sowie lokalen Komplementärwährungen oder der Idee des Terra.

 

Pflegewährung

Eine Zeitwährung für die Pflege alter und behinderter Menschen.

vgl. hierzu Altersgenossenschaft und Fureai Kippu

 

Regionalentwicklung

Bezeichnung für Konzepte und Maßnahmen, welche die wirtschaftliche Entwicklung einer Region unterstützen (Regionalmarketing). Der Begriff wird uneinheitlich verwendet und bezieht sich sowohl auf verschiedene inhaltliche Schwerpunkte als auch auf unterschiedliche räumliche Ebenen. Regionalentwicklung zielt auf den Ausgleich regionaler Disparitäten ab, um gleichwertige Lebensbedingungen in allen Regionen und eine nachhaltige Raumentwicklung zu gewährleisten, und erfordert die gezielte Koordination von Regionalplanung und Regionalpolitik.

 

Regionales Milieu

formelles oder informelles Netzwerk, das sich durch eine intensive, wirtschaftsförderliche regionale Interaktion und ein harmonisches Regionalbewusstsein der Akteure auszeichnet.

 

Regionalwährung

Regionalwährung (auch Regionalgeld) ist ein zwischen Verbrauchern, Anbietern, Vereinen und Kommunen demokratisch vereinbartes Medium, das innerhalb einer Region als Zahlungs-, Investions- und Schenkungsmittel verwendet wird und auf Grundlage eines global entwickelten Wertestandards mit anderen sozialen Institutionen auf horizontaler (z. B. andere Regiogelder) und vertikaler Ebene (andere wertschöpfungsfördernde Systeme in der Region) so assoziiert wird, dass sich der Lebensstandard in der Region auf Dauer positiv entwickeln soll.

 

Eigenschaften

Das Geldsystem ist ein bedeutender Bestandteil der sozialen Umwelt der Menschen. Die Konditionen dieser Umwelt in ihren wesentlichen Aspekten innerhalb möglichst überschaubarer Strukturen selbst beeinflussen zu können, ist eine Grundvoraussetzung für demokratisches Engagement. In diesem Sinn entsprechen regionale Geldsysteme dem Prinzip der Subsidiarität. Sie stehen der Behauptung politischer Alternativlosigkeit entgegen und sollen die Behauptung globaler finanzpolitischer Sachzwänge im Sinne des Thatcherismus widerlegen, indem sie den demokratischen Handlungsspielraum der Menschen erweitern.

Regionalwährungen sind sie häufig an eine Umlaufsicherungsgebühr gekoppelt und sehr häufig als Komplementärwährung konzipiert. Im Allgemeinen wirkt eine Umlaufsicherungsgebühr der Geldhortung entgegen und der Zins pendelt je nach Marktentwicklung um Null, statt wie bei herkömmlichem Geld immer positiv zu sein. Sofern sich im Regionalwährungssystem ein funktionierender Finanzmarkt herausbildet, sind zinsgünstige Kredite damit die Regel. Außerdem wird durch das praktische Wirtschaften mit Regionalgeld das Bewusstseins über das Wesen des Geldes geschärft.

 

Weitere Eigenschaften sind:

·               Ein geringeres Transportaufkommen, das die Umwelt entlastet.

·               Eine bessere Kontrolle der Produktionsbedingungen in Bezug auf Umweltverträglichkeit und soziale Standards.

·               Durch kleinere Abnahmemengen mehr Möglichkeiten zur Herstellung individueller Produkte, die Erwartungen und Bedürfnissen der lokalen Kunden besser gerecht werden und zum Erhalt regionaltypischer Eigenheiten beitragen.

·               Eine Verbesserung der Zahlungsmoral zwischen den Teilnehmern, da sich durch das Zurückhalten des Regiogelds keine Vorteile ergeben.

 

Ziele

Eine Regionalwährung ist hat zum Ziel, mithilfe ungenutzter Ressourcen auf regionaler Ebene bislang unbefriedigte Bedürfnisse zu stillen. Eine für die Region passende komplementäre Währung kann zudem - nach dem heutigen Stand des Wissens - die folgenden Ziele unterstützen:

·               eine teilweise Entkoppelung der regionalen von der globalisierten Wirtschaft ermöglichen,

·               zur Entwicklung eines nachhaltigen Finanzsystems beitragen und damit auch einen besseren Schutz vor den Unwägbarkeiten globaler Finanzspekulationen bieten,

·               neue finanzielle Liquidität vor allem für kleine und mittlere Betriebe schaffen und damit den Aufschwung für regionale Produkte und Dienstleistungen in die Wege leiten,

·               die Arbeitslosigkeit verringern und für den Verbleib von Wertschöpfung und Überschüssen in der Region sorgen,

·               eine engere Verbindung zwischen Konsumenten und Produzenten erlauben und die Transportwege und damit den Energieverbrauch reduzieren,

·               öffentliche Infrastruktur-Einrichtungen (Nahverkehrssysteme, Trinkwasser- und Stromversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung) „re-regionalisieren",

·               die regionale Identität stärken und einen Richtungswechsel einleiten, der auch viele andere Veränderungen möglich macht.

 

Kriterien

Die folgenden sieben Kriterien sind für die Auswahl, die Einführung und dauerhafte Nutzung einer komplementären Regionalwährung - egal, welchen Typs - besonders wichtig:

·               ein Gewinn für alle Teilnehmer,

·               gemeinnützig organisiert,

·               professionell umgesetzt,

·               transparent für die Nutzer,

·               demokratisch kontrolliert,

·               nachhaltig finanziert und

·               umlaufgesichert.

 

Gebiet Größe Abgrenzung:

Eine Region soll hier definiert werden als „geographisches Gebiet, mit dem die Menschen sich identifizieren“. Das ist eine gute und an dieser Stelle ausreichende Definition. Bekanntermaßen ist die Größe einer Region für ihr Selbstverständnis weniger bedeutsam als die potenzielle Dichte menschlicher Interaktion, natürliche geographische Grenzen, wie zum Beispiel Flüsse, Berge, Täler oder Wälder und der „Stolz auf die Zugehörigkeit zu diesem Gebiet“.

 

Regionetzwerk

Das Regionetzwerk besteht aus unabhängigen Initiativen zur Einführung von Regionalwährungen.

www.regionetzwerk.org

 

Ressourcenverbrauch

Als Ressourcen werden im Allgemeinen die Mittel bezeichnet, die vorhanden sind, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen. Meist werden darunter Betriebsmittel, Geldmittel, Rohstoffe, Boden, Energie oder Personen verstanden. Der Ressourcenverbrauch bezeichnet das durch Verwendung hervorgerufene Abnehmen dieser Mittel.

In der Volkswirtschaftslehre werden als Ressourcen typischerweise Arbeit und Kapital als Produktionsfaktoren, je nach Analyseziel aber auch noch Land oder andere Produktivkräfte betrachtet, z. B. natürliche Produktionsfaktoren (Rohstoffe) oder auch gesellschaftliche, wie z. B. Ausbildung, Kultur oder Forschung. In einem engeren ökonomischen Sinn bezeichnen die Ressourcen die auf der Erde vorhandenen Rohstoffe und Energieträger.

Eine Regionalwährung eignet für einen ethischen Umgang mit endlichen Ressourcen in einem überschaubaren Bereich, zu dem Menschen eine direkte persönliche und emotionale Beziehung haben. Sie können somit zu einem geringeren Ressourcenverbrauch beitragen.

 

Rücktauschgebühr

Währungsgedeckte Regionalwährungen können mit einer Rücktauschgebühr ausgestattet werden. Wenn die Nutzer einer regionalen Währung Transaktionen in Euro tätigen wollen und hierfür das regionale Tauschmittel in Euros zurücktauschen wollen, müssen sie eine Gebühr für den Umtausch entrichten. Beim Chiemgauer liegt diese Gebühr beispielsweise bei fünf Prozent der Umtauschsumme. Die Rücktauschgebühr wirkt wie eine Art Zoll auf die Ausfuhr von Geld aus dem Geltungsbereich der Regionalwährung. Um die Umtauschgebühr zu umgehen, werden Unternehmen und Kunden allerdings versuchen die regionale Währung bevorzugt auszugeben. Die Rücktauschgebühr wirkt wie eine zusätzliche Umlaufsicherung und hilft der weiteren Verbreitung der regionalen Währung.

 

Sektoralwährung

Eine Sektoralwährung ist eine Komplementärwährung, die in ihrer Anwendung auf einen Sektor begrenzt ist. Beispiele sind der Bildungswährungen wie der Saber in Brasilien oder der Fureai Kippu für das Gesundheitswesen in Japan.

 

Seniorengenossenschaften

siehe Altersgenossenschaften

 

Solidarfonds

Beim Solidarfonds geben sich verbundene Unternehmen untereinander Liquiditätshilfen oder stellen sich Risikokapital zur Verfügung, auf der Grundlage, dass sie in die eigenen Geschäftsverhältnisse einen besseren Einblick haben als die Banken. Ein Effekt in solchen Zusammenhängen ist auch, dass Zinsverzichte verhandelbar sind, anders als bei anonymen Geldanlagen.

 

Spareinlagen

Einlagen, die aus Ersparnissen der Kunden bestehen. Spareinlagen dienen im Allgemeinen nicht der Abwicklung des Zahlungsverkehrs und werden von den Kunden meist für eine unbefristete Zeit hinterlegt. Auf größere Spareinlagen kann nur unter Einhaltung einer bestimmten Kündigungsfrist zugegriffen werden. Spareinlagen sind durch Ausfertigung einer Urkunde als solche gekennzeichnet.

Geldbeträge, die zur Verwendung im Zahlungsverkehr bestimmt sind oder von vornherein befristet angenommen werden, gelten nicht als Spareinlagen.

Die Spartätigkeit der Bürger wird vom Staat gefördert, z.B. durch Wohnungsbauprämien oder Arbeitnehmerzulagen.

 

Sparen

Sparen bedeutet die Ansammlung von Vermögen durch Nichtkonsum von Teilen des Einkommens. Die gesparten finanziellen Mittel können wiederum für wirtschaftliche Aktivitäten (Investition) verwendet werden, indem Banken Geld, das z. B. auf einem Sparbuch zur Verfügung gestellt wurde, an Unternehmen weitergeben, damit diese Gewinne erwirtschaften.

 

Staatsverschuldung

Die Staatsverschuldung gibt wertmäßig über die Höhe der Schulden des Staates Auskunft. Übersteigen die Staatsausgaben die Einnahmen, so wird die Differenz meistens durch eine zusätzliche Staatsverschuldung ausgeglichen.

 

Steplending

Steplending besteht aus Unternehmensfinanzierungen, die mit sehr kleinen Krediten beginnen, mithilfe der Kleinstunternehmen schrittweise ihre Kreditfähigkeit mit der Bank erarbeiten können. Mit Steplending soll eine Vertrauensbasis geschaffen werden, die für die Finanzierungen größerer Kredite notwendig ist.

 

Sterntaler

www.star-mach-mit.com

 

Steuerpflicht

Transaktionen in Regionalwährungen werden steuerlich wie Euro-Transaktionen behandelt. Sie müssen im vollen Umfang besteuert werden.

Allerdings sprechen einige Gründe dafür, Regionalwährungen nicht zu besteuern. Einer der Hauptgründe ist der folgende: Wenn die Regionalwährung soziale Probleme lösen hilft, die den Steuerzahler ansonsten staatliche Zuschüsse kosten würden, sollten diese Kosten in die Vergleichsrechnung eingehen, die man aufstellen müsste, um die Steuerpflichtigkeit der Regionalwährung zu beurteilen bzw. festzulegen. Denn wenn die Einsparungen das Einkommen überstiegen, welches die Besteuerung erbrächte, wären alle Betroffenen - einschließlich des Finanzamtes - besser dran, die Transaktionen nicht zu besteuern. Dies war eines der Argumente, die die amerikanische Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service, die generell als eine der härtesten in der Welt angesehen wird) dazu bewogen hat, alle Umsätze in »Time Dollars« vom Fiskus unbehelligt zu lassen.

Der beste Weg für die lokalen und regionalen Behörden, den Erfolg der Regionalwährung zu unterstützen, ist, Steuerabgaben und Gebühren in Regionalwährung zu akzeptieren, denn dies wird der beste Anreiz für Geschäftsleute sein, den Regio anzunehmen.

Wichtige Gründe für Behörden und politischen Entscheidungsträger Steuern und Gebühren auch in Regio zu akzeptieren sind:

1)      die Steuern kommen den öffentlichen Dienstleistungen ihres Gebietes zugute,

2)      regionale Arbeitsplätze werden damit erhalten oder geschaffen, und

3)      die positiven sozialen und ökonomischen Auswirkungen der verstärkten regionalen Wertschöpfung erlauben es der Verwaltung, Steuergelder einzusparen und die gesamte wirtschaftliche Lage der Region zu verbessern.

 

Subsidiarität

Subsidiarität ist eine politische und gesellschaftliche Maxime, die Entscheidungen auf die niedrigste mögliche Ebene verlagert wissen will. Subsidiarität meint eine Zuständigkeitsvermutung der kleineren Einheit gegenüber größeren, soweit die kleinere in der Lage ist, das Problem selbständig zu lösen. Gleichzeitig soll bei Problemen, die kleine Einheiten überfordern, die übergeordnete Ebene unterstützend (="subsidiär" in der urspr. lateinischen Wortbedeutung) tätig werden.

Das Subsidiaritätsprinzip ist eine wichtige Grundlage der Verfassung der Europäischen Union, um die Organe der EU in der europäischen Gesetzgebung zu beschränken. Weiterhin ist es ein wichtiges Konzept föderaler Staatssysteme wie der Bundesrepublik Deutschland oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

 

Tauschmittel

Unter einem Tausch- oder Zahlungsmittel versteht man etwas, das ein Käufer einem Verkäufer übergibt, um Waren oder Dienstleistungen zu erwerben. Das allgemein anerkannte Zahlungsmittel erfüllt die drei klassischen Geldfunktionen. Es ist Verrechnungseinheit, Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmedium.

Tauschmittel sind u. a. Gegenstände, Metalle, Substanzen von gewissem Wert, die man gegen Waren und Dienstleistungen eintauschen kann. Früher waren häufige Tauschmittel u. a. Salz, Gold, in einigen Regionen auch Muscheln.

Heutzutage ist Geld in Form von Münzen und Banknoten ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel, auch wenn sein Sachwert weit geringer ist als der des damit erworbenen Gutes. Daneben existiert eine Vielzahl von elektronischen und kartengestützen Zahlungssystemen (z.B. E-Geld).

Bei Währungen, die nicht als allgemeiner Wert- und Preismaßstab gelten (was auf die meisten Komplementärwährungen zutrifft), tritt meist die Funktion als Tauschmittel in den Vordergrund, die den Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen den Marktteilnehmern vereinfacht. Wie praktisch und teuer sie sind, hängt letztlich davon ab, welches Medium man benutzt.

 

Tauschring

In Tauschringen (auch Tauschkreis, Tauschzirkel, Zeittauschbörse, Nachbarschafts-hilfeverein, LETS, Talentemarkt) werden vorrangig Dienstleistungen, gelegentlich auch Waren, ohne Einsatz von Geld zwischen den Teilnehmern getauscht. Verrechnungseinheit in Tauschringen ist meistens die Zeit (Zeitwährung).

Die selbstorganisierte Form des Wirtschaftens in Tauschringen versucht die Bedürfnisse der Teilnehmer besser zu erfüllen als das gewöhnliche geldförmige Wirtschaftssystem. Sowohl Befürworter als auch Kritiker von Tauschringen weisen jedoch darauf hin, dass wichtige Lebensbereiche wie Wohnen und Erwerbsarbeit von Tauschringen praktisch nicht erfasst werden, und die Ziele alternativen Wirtschaftens nur innerhalb eines ökonomischen und gesellschaftlichen Gesamtkonzeptes zu verwirklichen seien.

 

Tauschwert

Der Tauschwert beschreibt die Geldsumme, die eine bestimmte Ware oder Dienstleistung auf dem Markt erzielt.

 

Tauschwirtschaft

Eine reine Tauschwirtschaft (Tauschhandel), die auch als Naturaltauschwirtschaft bezeichnet wird, ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Ware oder eine Dienstleistung direkt gegen eine andere Ware oder Dienstleistung ohne die Verwendung einer Währung getauscht wird. Entscheidend ist dabei, dass Leistung und Gegenleistung in einem für die Tauschpartner angemessenen Verhältnis stehen.

In wirtschaftlichen Krisenzeiten kann der Tauschhandel auftreten. Meist übernimmt dann jedoch ein anderer Gegenstand die Rolle der Währung, z.B. Zigaretten im Nachkriegsdeutschland.

 

Time Dollars

Ein wechselseitiges Kreditsystem mit der Währungseinheit von einer Arbeitsstunde. Time Dollars wurde von Edgar Kahn Mitte der 80er Jahre entwickelt. Die amerikanische Steuerbehörde erklärte Transaktionen in Time Dollars für steuerfrei.

 

Umlaufsicherung

Eine Umlaufsicherung wird damit erreicht, dass Bargeld nach einem bestimmten Zeitraum nach und nach an Wert verliert und der Inhaber das Geld in Umlauf halten muss, um dem Wertverfall zu entgehen. Wie bei einem Gutschein ist der Geldwert irgendwann komplett verfallen. Dies verursacht Kosten für den Geldinhaber. Jeder Besitzer umlaufgesicherten Geldes versucht darum, das Geld bald nach dessen Erhalt wieder loszuwerden, da es sonst ungültig wird. Dieses Verhalten sichert den Umlauf des Bargeldes und sorgt für eine Stabilisierung der Wirtschaftskreisläufe. Die optimale Geldmenge in Wirtschaftskreisläufen regelt sich automatisch, weil jeder nur soviel Bargeld halten wird, wie er in absehbarer Zeit ohne Wertverlust auszugeben gedenkt.

Regionalwährungen sind „automatisch“ umlaufgesichert, denn sie haben drei umlaufsichernde Eigenschaften:

1)      Sie unterliegen ebenso wie die Landeswährung der Inflation.

2)      Sie sind nur in einem begrenzten Bereich gültig.

3)      Sie verursachen beim Um- oder Rücktausch in die Landeswährung Kosten.

 

Urstromtaler

www.urstromtaler.de

 

Verfallsdatum

Eine Extremform der Zeitwertwährung ist eine Währung mit feststehendem Verfallsdatum. Dies käme im Moment des Verfalls einem Steuersatz von 100 Prozent gleich.

 

Verrechnungsstelle

siehe Clearinghouse

 

Verrufgeld

Verrufgeld ist eine Form der Münzwährung des Mittelalters, bei der Münzen in bestimmten zeitlichen Abständen „verrufen“ wurden. Das bedeutete, dass die ausgegebene Währung in einem bestimmten Rhythmus eingezogen und durch eine neue ersetzt wurde („renovatio monetae“). Dabei wurden beispielsweise für vier alte Pfennige nur drei neue ausgegeben, was de facto eine Steuer auf die Währung von 25 Prozent bedeutete. Dieser Vorgang füllte die Taschen derjenigen, die das örtliche Münzrecht innehatten (normalerweise der Grundherr, der Bischof oder das Kloster). Die begrenzt zeitliche Gültigkeit stellte einen wirksamen Anreiz zum Ausgeben des Geldes bzw. zur Sicherung des Geldumlaufs dar.

 

Währung

Eine Währung (mittelhochdeutsch werunge "Gewährleistung") ist im weitgefassten Sinne das staatlich geregelte Geldwesen eines Landes, insbesondere die Festlegung des Münz- und Notensystems. Die als "gesetzliches Zahlungsmittel" konzipierte Währung ist innerhalb des Staates in der Regel mit einem "Annahmezwang" ausgestattet. Dadurch wird ihr Wert als Zahlungsmittel "gewährleistet".

Im enggefassten Sinne bezeichnet die Währung als "Valuta" die nationale Geldeinheit selbst (Euro, Kronen, Franken, US-Dollar, Yen...), sowie ihren Geltungsbereich (Schwed. Kronen, Norweg. Kronen, US-Dollar, Kanad. Dollar...).

Nach der Einlösbarkeit unterscheidet man zwischen offener (metallistischer) Währung (Münzen und Banknoten in Gold einlösbar) und gesperrter Währung (Papierwährung). Heute überwiegt die Papierwährung, bei der keine Einlösepflicht in Gold besteht und die Festsetzung der Geldmenge (und damit auch des Geldwerts) obliegt allein dem Staat bzw. der Zentralnotenbank (manipulierte Währung). Andere Arten der Papierwährung sind die Indexwährungen (Geld soll gleich bleibend Kaufkraft haben) und das Schwundgeld (regelmäßig durch Gebührenmarken verminderter Nennwert von Geld, der die Geldhortung verhindern soll) nach S. Gesell.

 

Geschichte

Vom Altertum bis in die Neuzeit war allein die metallistische Währung bekannt. Obwohl lange vor dem Silber Gold zu Münzen verarbeitet wurde, dominierte infolge der großen Knappheit des Golds lange Zeit die Silberwährung. Erst im 19. Jahrhundert wurde das Silber als Währungsmetall vom Gold verdrängt.

Im 1. Weltkrieg mussten die Krieg führenden Nationen vom Goldautomatismus abgehen. Die metallistische Währung verschwand praktisch mit der Weltwirtschaftskrise und wurde durch die manipulierte Papierwährung abgelöst, obwohl viele Staaten die Bindung ihrer Währung an den Goldpreis weiter aufrechterhielten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde versucht, die freie Konvertierbarkeit der Währungen zu erreichen. Durch Abwertungen und Aufwertungen wurde das Verhältnis zum US-Dollar, der in den westlichen Ländern als Leitwährung gilt, mehrfach neu festgesetzt und schließlich ganz freigegeben. Gold ist nur noch als Reserve der Notenbanken und für den zwischenstaatlichen Zahlungsausgleich von Bedeutung.

Seit der Aufhebung der Golddeckung für den US-Dollar 1971 durch den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon sind fast alle Währungen fiat money. Im Laufe der Geschichte haben sich zur Vitalisierung und Stabilisierung regionaler Wirtschaftskreisläufe zusätzlich Komplementärwährungen entwickelt, die heute besonders im Zuge der fortschreitenden Globalisierung an Bedeutung gewinnen. Die Herstellung und Emittierung dieser Währungen erfolgt nicht von den Zentralbanken aus, sondern von regional eingesetzten Institutionen oder Initiativen.

 

Währungen, Typologie

Folgt man den klassischen wirtschaftswissenschaftlichen Theorien, dann sind die drei wichtigsten Funktionen von Geld die folgenden:

1)            die Festlegung des Wertstandards,

2)            die Nutzung als Tauschmittel und

3)            die Nutzung als Mittel zur Wertaufbewahrung.

Studiert man jedoch die Geschichte des Geldes, stellt man bald fest, dass diese Funktionen in den meisten Gesellschaften von verschiedenen Währungen übernommen wurden. So wurde der Preisstandard in vielen Ländern mit anderen Mitteln gemessen, als sie für den Warenaustausch benutzt wurden.

Im alten Europa war ein wichtiger Wertmaßstab das Vieh. Homer zum Beispiel hätte im Griechenland des 8. vorchristlichen Jahrhunderts unweigerlich von Ochsen gesprochen, wenn er uns einen Wert hätte vermitteln wollen. Zahlungen jedoch wurden mit weit praktischeren Mitteln vorgenommen: mit Bronzebarren, den so genannten Ingots zum Beispiel, oder mit Gold- bzw. Silberbarren. Später benutzte man dafür Münzen. Daher lässt sich jede Währung auch danach einteilen, welche Funktionen sie erfüllt.

 

Währungsdeckung

Es gibt nur drei grundsätzliche Möglichkeiten für die Gestaltung eines Währungssystems: freie Währungen (Fiatwährungen, d. h. ohne Deckung), gebundene Währungen wie z. B. Metallwährungen, deren Wert über den Wert eines Edelmetalls (Gold oder Silber) ausgedrückt wird, und die Warenreservewährung, eine durch eine Ware gedeckte Währung, bei der die Währung einen Anspruch auf eine bestimmte Menge dieser Ware darstellt (weswegen man davon einen gewissen Vorrat braucht, um entsprechenden Bitten nachzukommen). Wer über einen Schein dieser Währung verfügt, kann normalerweise ihre Einlösung gegen die entsprechende Ware oder Dienstleistung verlangen. Eine Sonderform einer Warenreservewährung ist z.B. die Energiewährung, bei der der Anspruch nicht auf eine Ware sondern auf einen bestimmten kWh-Betrag lautet.

Eine gebundene Währung wird üblicherweise von der Institution emittiert, der das Deckungsprodukt oder die entsprechende Dienstleistung gehört (Beispiel: der Goldstandard vieler Währungen im 19. Jahrhundert; Time Dollars, die durch gemeinnützige Arbeitsstunden gedeckt sind).

 

Wertschöpfung

Wertschöpfung ist das originäre Ziel produktiver Tätigkeit. Diese transformiert vorhandene Güter in Güter mit höherem Wert und damit - in einer Geldwirtschaft - in Güter höheren Geldwertes. Der geschaffene Mehrwert wird zu Einkommen.

Wertschöpfung als Kennzahl misst den Ertrag wirtschaftlicher Tätigkeit als Differenz zwischen der Leistung einer Wirtschaftseinheit und der zur Leistungserstellung verbrauchten Vorleistung: Wertschöpfung = Leistung – Vorleistung.

Die Bruttowertschöpfung, ist ein Maß für die eigentliche wirtschaftliche Leistung eines Wirtschaftszweiges. Sie ist der Wert der innerhalb einer Branche in einer Wirtschaftsperiode (in der Regel innerhalb eines Jahres) selbst produzierten Waren und Dienstleistungen - und zwar unter Zuhilfenahme von Vorleistungen aus anderen Branchen. Zum Beispiel beinhaltet die Automobilproduktion elektrische und elektronische Teile aus der Branche Elektrotechnik. Die Bruttowertschöpfung einer Branche ergibt sich demnach als die Differenz zwischen dem Produktionswert der Branche und den Vorleistungen aus anderen Branchen.

Die Summe der Wertschöpfungen aller Branchen ergibt wiederum das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Würde man dagegen die Produktionswerte aller Branchen addieren, dann würden einzelne Produktionsbestandteile (Vorleistungen) mehrfach berücksichtigt, und die wirtschaftliche Leistung würde insgesamt als zu hoch ausgewiesen.

 

Yang-Währung

Eine Yang-Währung wird hierarchisch gegründet. Sie fördert unter ihren Benutzern den Wettbewerb und das Sparen in Form von Geld. Zurzeit sind alle konventionellen nationalen Währungen als Yang-Währungen zu bezeichnen. In der Theorie der konventionellen/klassischen Ökonomie wird die Yang-Währung als die einzige Art von Geld betrachtet.

 

Yin-Währung

Eine Yin-Währung wird selbst von ihren Benutzern auf der Basis von Gleichheit kreiert. Sie fördert Kooperation und nicht das Sparen in Form von Geld, sondern andere Vermögensformen (z. B. Immobilien, Kunstwerke). Zurzeit kann man alle Formen von wechselseitigen Krediten Yin-Währungen nennen.

 

Zahlungsmittel

siehe Tauschmittel

 

Zahlungsmittel, gesetzliches

Eine Währung, die als gültiges Zahlungsmittel angenommen werden muss. Wenn A beispielsweise bei B Schulden hat und diese Schulden mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel bezahlen will, B diese Währung aber ablehnt, kann A die Schulden für nichtig erklären und erhält prinzipiell vor Gericht Recht. (Das ist vor allem bei Steuerzahlungen und anderen finanziellen Forderungen des Staates wichtig.)

 

Zahlungssystem

Vorgang und Infrastruktur, durch die der Transfer einer Währung von einer Person zur anderen durchgeführt wird.

 

Zeitwährung

Eine Zeitwährung ist eine Währung, deren Verrechnungseinheiten Zeiteinheiten entsprechen. Beispiele für Zeitwährungen sind z.B. die Pflegewährung Fureai Kippu oder auch Tauschringe, bei denen die Währungsdeckung durch Dienstleistungen gebildet wird.

 

Zentralbank

Die Bank, die offiziell für eine Landeswährung zuständig ist. Einige Zentralbanken (auch Notenbanken genannt) gehören Privatbanken (wie z. B. die amerikanische Federal Reserve Bank); andere befinden sich in Staatsbesitz (z. B. die Banque de France und die britische Zentralbank seit ihrer Verstaatlichung in den 50er Jahren), bei anderen sind die Besitzverhältnisse gemischt (z. B. die belgische Zentralbank). Alle Zentralbanken sind für den Binnenwert (d. h. die Inflationskontrolle) und den Außenwert ihrer Währung (d. h. den Wert der eigenen Währung im Verhältnis zu anderen Landeswährungen) verantwortlich. Für diese Aufgaben stehen ihnen verschiedene Mittel zur Verfügung, z. B. die Intervention (der Aufkauf oder Verkauf von Währungen auf dem internationalen Finanzmarkt), die Veränderung der Zinssätze oder die Festlegung der Reserven für Privatbanken. Im Prinzip geht es bei diesen Maßnahmen immer um eine Veränderung der Geldmenge, die von den Banken ausgegeben wird.

 

Zinsen

Zinsen stellen das zeitgebundene Einkommen für Geldverleiher bzw. die zeitgebundene Kosten für den Schuldner dar. Zinsen sind also der Preis für die Überlassung von Kapital bzw. Geld.

Die Zinsnahme war in den drei Weitreligionen verboten: dem Judentum, Christentum und dem Islam. Heute hält nur noch der Islam an dem Verbot fest (dem trägt das sog. islamic banking Rechnung: Bei islamischen Banken ersetzen Gebühren die Zinsen). Zinsen sind ein wesentlicher Bestandteil des diskontierten Cash-flow, der zur Beleihung der Zukunft beiträgt.

 

Zinstragende Währungen

Zinstragende Währungen bieten die Möglichkeit, Menschen zum Sparen anzuregen, indem auf Einlagen Zinsen gezahlt werden. Konventionellen Währungssystemen, bei denen Geld durch Bankdarlehen geschaffen wird, sind solche zinstragenden Währungen. Der Zins steht dabei in direkt proportionalem Verhältnis zur Zeitspanne, über die man sein Geld verleiht.

Folgendes geschieht dabei: Man tätigt eine Einlage in der entsprechenden Währung und erhält Zinsen. Umgekehrt kann man sich Geld leihen, wenn man Zinsen bezahlt. Man bezahlt also Zinsen, weil ein Konto eine Unterdeckung aufweist.

 

Zinslose Währungen

Der Großteil der Komplementärwährung sind zinslose Währungen, die ihren Besitzern keine Zinsen einbringen. Weder die Bonusmeilen-Unternehmen noch die Kreditgenossenschaften zahlen Zinsen.